Weichenstellung für die Gräfenbergbahn

Gräfenbergbahn Ortstermin mit Politik und Bahnverantwortlichen
Über die Zukunft der Gräfenbergbahn tauschten sich am 20. August auf den Bahnhöfen Gräfenberg und Eschenau gleich fünf Landtagsabgeordnete mit Bürgermeistern, Kreisräten und Vertretern der Deutschen Bahn sowie des bayerischen Verkehrsministeriums aus. Anlass und Thema waren die Forderungen der Online-Petition „Generalsanierung, Elektrifizierung und Ausbau der Gräfenbergbahn“, die im Februar mit knapp 5.700 Unterschriften vom Initiator, Gräfenberger Stadtrat und Kreisrat Matthias Striebich dem Bayrischen Landtag übergeben wurde.

Im Bild: Gesprächsrunde am Bahnsteig: Tessa Ganserer, Manfred Bachmayer, Ilse Dölle, Alexandra Hiersemann, Michael Hofmann, Josef Schmid, Sebastian Körber, Hans-Jürgen Nekolla, Matthias Striebich, Barbara Poneleit, Stefan Schell, Karl-Heinz Holzwarth und Olaf Hanau (von links).



Die Petition fordert, kurzfristig die vorhandenen Mängel zu beseitigen und mittelfristig die Gräfenbergbahn zu elektrifizieren sowie mit kürzeren Fahrzeiten, zusätzlichen Haltepunkten, 30-Minuten-Takt und Anbindung an weitere Strecken zum attraktiven System auszubauen. Der Freistaat Bayern als der Aufgabenträger für den Schienenpersonennahverkehr soll auf den Ausbau der Infrastruktur Einfluss nehmen.

Nach Gräfenberg hatte MdL Sebastian Körber (FDP, Vorsitzender im Verkehrsausschuss) eingeladen, gekommen waren aus dem Landtag auch Alexandra Hiersemann (SPD, Mitglied im Petitionsausschuss), Tessa Ganserer (B90/Die Grünen), Michael Hofmann (CSU) und Josef Schmid (CSU) sowie die Grünen Kreisräte Barbara Poneleit (Kreis FO) und Jürgen Bachmayer (Kreis ERH).

Als Beauftragter des DB-Konzerns für Bayern erinnerte Karl-Heinz Holzwarth daran, dass die Bahn dabei ist, einen konkreten Fünf-Punkte-Plan abzuarbeiten: Es wurden baulich bedingte Langsamfahrstellen beseitigt, der Oberbau stabilisiert sowie Schienen- und Schwellenschwachstellen saniert. Der Neubau von Brücken in Heroldsberg für 7 Mio. Euro ist teilweise erfolgt und soll bis 2021 abgeschlossen sein. Ab 2024 will man für 20 Mio. Euro das veraltete elektronische Stellwerk in Heroldsberg ersetzen – falls das Geld bereitgestellt wird – und Möglichkeit Bahnübergänge beseitigen und für schnellere Fahrzeiten sorgen.

Olaf Hanau, Leiter des Regionalnetzes Franken, konnte zumindest erklären, wo die Probleme für die Bahn liegen. Das störanfällige Stellwerk stamme aus einer anderen Zeit, auf der Sterecke von 28 Kilometern werde der Zug von 31 Bahnübergängen gebremst, deren Beseitigung Zeit in Anspruch nimmt. Aber „wir wollen weitermachen“, auch wenn für ihn die Gräfenbergbahn nur eine von vielen Baustellen ist und derzeit Fachplaner, Arbeiter und sogar Material rar seien.

Referatsleiter Stefan Schell vom bayerischen Verkehrsministerium bestätigte eine immense marktbedingte Baukostensteigerung. Der Zustand der Infrastruktur sei zwar nicht akzeptabel, der Staat zahle aber zusätzlich zur Verkehrsbeauftragung nicht für die Herstellung des Sollzustandes, sondern nur für Investitionen in weitere Attraktivierung wie etwa die Elektrifizierung. Wann für diese aber bei dieser isolierten Nebenstrecke das Geld zur Verfügung gestellt werde, könne er nicht absehen.

Das wollten die Abgeordneten so nicht stehen lassen: Der Winter kommt jedes Jahr und die Prioritäten legt das Parlament fest, betonte Sebastian Körber, Alexandra Hiersemann drängte auf konkretere Zeitpläne und Michael Hofmann wollte keine Ausflüchte gelten lassen: Die vom Staat in Auftrag gegebene Bedienung der Strecke werde nicht erfüllt, „Ich erwarte, dass die, die zuständig sind, ihre Hausaufgaben machen und die Fahrleistungen erbracht werden!“ Mit der Erneuerung des Stellwerks abzuwarten, bis die veraltete Technik betriebswirtschaftlich abgeschrieben sei, könne man nicht akzeptieren. Tessa Ganserer betonte, dass Landesmittel für Elektrifizierung und Taktverdichtung nicht nur Kosten, sondern eine betriebswirtschaftlich sinnvolle Kapitalanlage wären. Josef Schmid fragte nach einer Verknüpfung mit anderen Linien, Matthias Striebich erinnerte an widersprüchliche Gutachten zu einer möglichen Verbindung Nordostbahnhof – Fürth und die Option eines StUB-Ostastes von Erlangen nach Eschenau.

Auch Eckentals Erste Bürgermeisterin Ilse Dölle verwies auf die Initiative LIBOS für einen StUB-Ausbau bis Eckental und betonte, dass ein attraktiver ÖPNV nicht nur Vorteile für die Gemeinden im Umland bringe, sondern vor allem für die belasteten oder gar kollabierenden Städte. Eine attraktive Bahn bringe Wohnqualität für alle. Gräfenbergs Bürgermeister Hans-Jürgen Nekolla bezeichnete den ÖPNV als ausschlaggebend bei der Wohnortwahl, aber „die Leute wollen keine Problembeschreibungen, sondern Problemlösungen!“.

Ein aktuelles Problem mussten die Bahnverantwortlichen gleichwohl einräumen: Der für September geplante Einsatz neuer Züge wird wegen verspäteter Genehmigungen bis zum Frühjahr veschoben. Auf die Frage, wann die Petition im zuständigen „Ausschuss für Eingaben und Beschwerden“ auf die Tagesordnung kommt, hatten wiederum die Abgeordneten keine Antwort.
Letzte Aktualisierung ( Donnerstag, 12. September 2019 )