Im Dialog mit der Landwirtschaft Folge 16
Mais Landwirte im wochenblatt-Land wollen informieren
Einer zunehmenden Entfremdung zwischen den Erzeugern und den Konsumenten von Lebensmitteln will eine Gruppe heimischer Landwirte aus dem wochenblatt-Land mit fachlich fundierten Informationen entgegenwirken. Die derzeit elf Vollerwerbs-Landwirte stehen durch die Bewirtschaftung der Kulturlandschaft in der Öffentlichkeit  – und stören sich an einer Berichterstattung, die oft geprägt ist von einem offensichtlichen Mangel an fachlichem Grundwissen.

Was für eine Maisterleistung!
Warum setzen die Landwirte auf diese Pflanze?
Der Mais ist ca. in den 1960er Jahren als Kulturpflanze nach Deutschland gekommen. Durch Fortschritte in Züchtung und Technik gibt es mittlerweile robuste, ertragssichere Pflanzen, auf die unsere Erntetechnik perfekt abgestimmt ist: fast ohne Ernteverluste, mit guten Nährstoffkombinationen in der Pflanze und mit auf die Regionen abgestimmten Reifezeitpunkte.

Die Pflanze kann Ihren Wasserhaushalt selbst steuern und ist dadurch sehr trockenheitstolerant. Der Mais bietet dadurch eine sehr hohe Anbau- bzw. Futtersicherheit, auch in aktuellen Wetterlagen. Weil er die Nährstoffe sehr gut aufnehmen und verwerten kann, gibt es  weniger Auswaschung in tiefere Bodenschichten als bei anderen Kulturen. Der Mais bietet den Landwirten eine hohe Flexibilität in der Nutzung (je nach Bedarf als Futterware, Energiemais oder zur Körnergewinnung) und schafft erbringt im Vergleich zu anderen Kulturen den größten Nettoenergiegehalt pro Hektar.

Zudem benötigt der robuste Mais wenig Pflanzenschutz. Durch raschen Wuchs schafft er eine gute Unkrautunterdrückung ab ca. 1 m Wuchshöhe, dadurch genügt eine Herbizidanwendung in der Jugendentwicklung (gegen konkurrierendes Unkraut, also keinesfalls Glyphosat). Im Gegensatz zu anderen Getreidekulturen benötigt der Mais nicht zwingend Anwendungen gegen Insekten oder Pilzbefall, gegen den Maiszünsler können auch Schlupfwespen eingesetzt werden.

Warum ist Mais keine Monokultur?
Kritik am Maisanbau kommt unter anderem daher, dass er keine farbige Blüte hat – trotzdem bietet er jedoch während der Vegetation einen Lebensraum für Vögel, Insekten und verschiedene Wildtiere. Da der Mais selbstverträglich ist, könnte er gut mehrere Jahre in Folge angebaut werden, was in der Region aber selten der Fall ist. Statt dessen hat er in der Regel einen sinnvollen Platz in der Fruchtfolge (von Jahr zu Jahr wechselnde Kulturen). Dabei muss die Nährstoffrückführung gewährleistet sein.

Mais wird oft abwertend und falsch als Monokultur bezeichnet. Monokultur bedeutet, dass jedes Jahr dieselbe Kultur auf einer Fläche angebaut wird. Oft wird der Begriff aber mit der „Reinkultur“ verwechselt. Als Reinkultur werden nahezu alle Nutzpflanzen wie Weizen, Gerste, Dinkel, Mais, Ackerbohnen, Erbsen… angebaut: Es wird nur eine Pflanze auf dem Acker kultiviert, und zwar aus guten Gründen: Ein homogener Bestand lässt sich leichter gesund halten, ernten, anschließend wieder bearbeiten, vor allem aber lassen sich Erntegüter in Reinform wesentlich besser vermarkten und weiterverarbeiten.
Es werden zwar auch Mischkulturen angebaut wie Erbsen-Getreidegemenge oder Hafer mit Kleegras, was aber durch anschließende Aufbereitung oder Reinigung einen höheren Aufwand erfordert.

Mais-Ernte im wochenblatt-Land
Dass es im wochenblatt-Land keinen hohen Anstieg der Maisflächen gibt, hat auch damit zutun, dass der Mais schon seit vielen Jahrzehnten gerne als Fruchtfolgeglied verwendet wurde. Als Sommerung, Hackfrucht und guten Nährstoffaufnehmer haben auch viehlose Betriebe den Mais in ihrer Fruchtfolge. Hier wird der Maisanbau nicht übertrieben, sonder dem Bedarf vor Ort entsprechend für Vieh und Biogas von den regionalen Betrieben angebaut, so dass nichts über viele Kilometer transportiert werden muss.

Dadurch wird auch die Nährstoffrücklieferung durch Gülle gewährleistet: Flächen, Viehbestand und Nährstoffkreislauf sind aufeinander abgestimmt. Zudem sorgen die Landwirte im wochenblatt-Land mit einem konsequenten Zwischenfruchtanbau (Begrünung nach der Ernte der Hauptfrucht, die oft gar nicht geerntet, sonder eingepflügt wird) dafür, dass die Böden gesund und aufnahmefähig bleiben. Immer häufiger werden mittlerweile auch Blühstreifen rund um die Maisäcker angelegt. In diesem Zusammenhang bitten die Bauern darum, die Blumen stehen zu lassen und nicht mit nach Hause zu nehmen, denn die Sonnenblumen dienen erst den Bienen und dann den Vögeln als Nahrung.
Bald steht auch die Maisernte im wochenblatt-Land an. Hierfür bedanken sich die Landwirte schon im Voraus für das Verständnis der Bevölkerung. Auch wenn es Abends einmal länger dauert – manchmal ist es eben der letzte Acker in diesem Gebiet oder der letzte, bevor die Silage luftdicht eingepackt wird.

Die Einschätzung der Landwirte bestätigt auch die Zuschrift eines wochenblatt-Lesers, der die Reihe „Im Dialog mit der Landwirtschaft“ aufmerksam verfolgt, sich an die Nachkriegszeit zurückerinnert und anerkennt, dass „die landwirtschaftlichen Grundstücke in der Gegend relativ klein sind und der Maisanbau optisch nicht wesentlich zugenommen hat“. Anregungen und Fragen aus der Leserschaft sind immer willkommen, werden gesammelt und weitergegeben und (falls gewünscht öffentlich) beantwortet. Wer eine Frage an unsere Bauern hat, schreibt bitte mit dem Stichwort „Dialog mit der Landwirtschaft“ eine Mail an:  Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können
Letzte Aktualisierung ( Donnerstag, 12. September 2019 )