Im Dialog mit der Landwirtschaft Folge 08
Landwirte Landwirte im wochenblatt-Land wollen informieren
Einer zunehmenden Entfremdung zwischen den Erzeugern und den Konsumenten von Lebensmitteln will eine Gruppe heimischer Landwirte aus dem wochenblatt-Land mit fachlich fundierten Informationen entgegenwirken.
Die Vollerwerbs-Landwirte stehen durch die Bewirtschaftung der Kulturlandschaft in der Öffentlichkeit  – und stören sich an einer Berichterstattung, die oft geprägt ist von einem offensichtlichen und eklatanten Mangel an fachlichem Grundwissen.


„Muss das sein, dass man die Bauern so triezt?“
Landwirte haben eine Menge an Bestimmungen und Ausführungs- verordnungen zu beachten, die ständig zunehmen: Transportieren, Füttern, Düngen, Ernten, Zertifizierung, Pflanzenschutz, Bauen oder umbauen, Dokumentieren... für jede Maßnahme und bald jeden Hand- griff, so berichten sie, werden die Vorgaben mehr.

In der industriellen Landwirtschaft, die es in anderen Regionen und Ländern durchaus gibt, können die Großunternehmen für die Bürokratie und die Abstimmung mit Behörden das entsprechende Fach- personal einstellen. Die Familienbetriebe im wochenblatt-Land müs- sen sich aber neben der täglichen Arbeit damit auseinandersetzen und sehen sich von der Verordnungsflut zunehmend darin behindert.

Zudem stellen sie fest, dass die von Bürokraten geschaffenen Vorga- ben nicht selten mit der „guten landwirtschaftlichen Praxis“ nicht ver- einbar, wirtschaftlich nicht mehr darstellbar oder oder nach menschli- chem Ermessen in der Praxis schlicht nicht umsetzbar sind. Unsere Landwirte hatten nun die Gelegenheit sich mit den Beauftragen für Entbürokratisierung der bayerischen Staatsregierung in einem ausführlichen Gespräch auszutauschen. Der CSU-Landtagsabgeordnete Walter Nussel aus Burgstall (Stadt Herzogenaurach) war neben der politischen Laufbahn viele Jahre als Landwirt und Forstwirt tätig. Er traf sich zu der Gesprächsrunde bei Familie Friedrich in Mitteldorf.

Schwierigkeiten und Komplexität ergeben sich im Gesetzgebungsverfahren sehr oft erst durch die Ausführungsverordnungen, die von den Ministerien zu den Gesetzen erlassen werden, erläuterte Nussel.

Er berichtete von den von ihm eingeführten „Praxis-Check“ für neue gesetzliche Regelungen. Dieser sieht vor, in geeigneten Fällen mit den Betroffenen die Praxistauglichkeit vor der Inkraftsetzung zu testen. Aktuell habe er eine Verordnung gestoppt, die den Bau eines Güllebehälters für Landwirte fast unmöglich macht, weil sie unter praktischen Bedingungen in Bayern nicht umsetzbar ist. Zusammen mit der Praxis habe man eine umsetzbare und vom Umweltministerium anerkannte Alternative entwickelt.

Bei anderen Beispielen wure deutlich, dass die Vorgaben nicht immer wissenschaftlich begründbar sind, sondern auch ideologisch motiviert oder aus wirtschaftlichen Interessen von Unternehmen, die von technischen Vorgaben profitieren.

Im Bezug auf Biotopkartierungen erinnerte Nussel daran, dass man bei Einführung der FFH-Biotop-Kartierungen für Natur- und Arten- schutz den Landwirten Transparenz, Freiwilligkeit und ein Verschlech- terungsverbot für die Nutzung versprochen hatte. Inzwischen müsse man eine Tendenz feststellen, von den Bauern statt einer finanziell geförderten, freiwilligen Kulturlanschaftspflege per Gesetz unwirt- schaftliche und aufwändige Naturschutzleistungen auf deren eigenem Grund zu verlangen. Nussels Versprechen, sich gegen praxisfremde bürokratische Belastungen für die Landwirte einzusetzen, wurde in der Runde dankbar aufgenommen.

Im Juli wollen sich die Landwirte mit der Bundestagsabgeordneten Lisa Badum aus Forchheim unterhalten. Die klimapolitische Sprecherin der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hat ihr Kommen bereits zugesagt. Anregungen und Fragen aus der Leserschaft sind immer willkommen, werden gesammelt und weitergegeben und (falls gewünscht öffentlich) beantwortet. Wer eine Frage an unsere Bauern hat, schreibt bitte mit dem Stichwort „Dialog mit der Landwirtschaft“ eine Mail an:  Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können
Letzte Aktualisierung ( Dienstag, 4. Juni 2019 )