Leserbrief zur Gräfenbergbahn
Die Gräfenbergbahn – ein Abenteuer
Ich habe einen ambulanten OP-Termin in Nürnbergs Innenstadt um 7.45 Uhr, soll danach nicht Auto fahren, will um die Tageszeit niemanden von den Freunden oder aus der Familie nerven und beschließe, den Zug um 6.32 Uhr von Forth, Bahnhof zu nehmen, für mich fußläufig in 3 Minuten zu erreichen.
Ich zahle 6,20 Euro (!), Zug kommt, fährt weiter nach Eschenau, bleibt dort eine gefühlte Viertelstunde stehen, fährt dann tatsächlich weiter, nicht schnell, aber er fährt, hält ein paarmal und erreicht Heroldsberg. Viele Menschen steigen zu,die Waggons sind gut voll mit Schülern und Berufspendlern.
Warten ... dann Ansage über Lautsprecher, dass wegen einer Weichenstörung in Nürnberg-NO eine Weiterfahrt frühestens in einer halben Stunde möglich ist. Alle um mich rum fangen an zu grinsen, die fahren öfters, die kennen das, ich fange an zu hyperventilieren. Weitere Ansage, dass Weiterfahrt auf unabsehbare Zeit nicht möglich, Schienenersatzverkehr sei angefordert, aber auch nicht sicher, wann und ob überhaupt. Sonstige Verbindungen Fehlanzeige, zurück nachhause geht auch nicht – gestrandet in Heroldsberg.


Die offensichtlich leidgewohnten Mitfahrer steigen gelassen wieder aus. Ich krieg die Krise, wenn ich den Termin verpasse, muss ich wahrscheinlich ewig warten, bis ich wieder einen neuen bekomme. Mit lila Wutschaum in den Mundwinkeln steige ich ebenfalls aus, es ist inzwischen 7.05 Uhr, und hechele über die Treppen am Heroldsberger Rathaus runter an die Straße, und wie in alten Zeiten vor 50 Jahren stelle ich mich mit erhobenem Daumen hin. Nach etwa 10 Autos, die vorbeifahren – die meisten übrigens mit Einzelbesetzung – hält ein freundlicher Pendler, der vor mir anscheinend schon andere Gestrandete eingesammelt hat und uns alle sicher und flott nach Nürnberg bringt. In Herrnhütte steige ich dann in die U-Bahn, kleiner Sprint ab Rathenauplatz (Frühsport ist gesund) und ich schaff meinen Termin in wirklich allerletzter Minute. Nach der OP habe ich zuhause angerufen und mich holen lassen – mit dem Auto.
Umstieg auf „Öffis“, was ich persönlich immer gerne befürworte und auch selber versuche zu leben, indem ich mein Auto öfters stehen lasse und übrigens auch zu Fuss gehe, ist bei uns entlang der Gräfenbergbahn echt abenteuerlich. Ich bin sehr gespannt, ob unsere Unterschriftenaktion endlich mal eine Generalsanierung bewirkt und ich noch erleben darf, dass man mit diesem Züglein einfach nur entspannt, sicher, schnell und zuverlässig von Gräfenberg nach Nürnberg und zurück kommt.
dem freundlichen Autofahrer, der mich in Heroldsberg zusteigen ließ, an dieser Stelle nochmals ganz herzlichen Dank.
Godela Grauer, Forth
Letzte Aktualisierung ( Dienstag, 5. März 2019 )