Gewässerschutz mit Leidenschaft

Abwasserverband Führungswechsel beim Abwasserverband Schwabachtal
Am Sonntag (29.4.) hatte der Abwasserverband Schwabachtal zum „Tag der offenen Tür“ eingeladen in das Pumpwerk Buckenhof. Anlass war der Rückzug von Georg Förster, Erster Bürgermeister der Gemeinde Buckenhof und Vorsitzender der Verwaltungsgemeinschaft Uttenreuth, nach 21 Jahren als Verbandsvorsteher. Seine Nachfolgerin ist die bisherige Stellvertreterin Birgit Herbst, Erste Bürgermeisterin von Spardorf, die seit 1. Mai die Aufgabe übernimmt.

Im Bild: Thomas Schmitt, technischer Mitarbeiter beim AVS, erläuterte am Versuch, dass sich sogar Papiertaschentücher tagelang nicht im Wasser auflösen – ganz zu schweigen von Einwegtüchern aus reißfestem Vlies. Manchmal müsse man deswegen alle zwei Stunden „ausrücken“.


Neue stellvertretende Vorsteherin ist Gertrud Werner, Erste Bürgermeisterin aus Kleinsendelbach. Mit seinem Rücktritt „aus freien Stücken“ will Georg Förster das anspruchsvolle Amt rechtzeitig weitergeben und einen fließenden Übergang ermöglichen, bei dem er seiner Nachfolgerin bei Bedarf zur Seite stehen kann, erläuterte Förster den interessierten Besuchern.
Dem seit 1969 bestehenden Abwasserverband Schwabachtal (AVS) gehören aktuell 10 Mitgliedsgemeinden aus zwei Landkreisen an: Uttenreuth, Marloffstein, Spardorf, Buckenhof, Hetzles, Markt Neunkirchen am Brand, Dormitz, Kleinsendelbach, Markt Eckental und Markt Heroldsberg. Mit dem Sammeln des Abwassers aus den Mitgliedsgemeinden und der Überleitung zur Kläranlage Erlangen leistet der AVS eine der wichtigsten kommunalen Aufgaben, erklärte Birgit Herbst.
Ihr Vorgänger hat sich mit Leidenschaft, Härte und Stringenz dieser Aufgabe gewidmet, so die neue Verbandsvorsteherin. In den vergangenen 21 Jahren konnte er die Verschuldung von etwa 4 Mio. Euro abbauen, gleichzeitig hat der Verband 32 Mio. Euro investiert.

AbwasserverbandOhne Internet kann man leben, ohne Wasser nicht
„Es gilt dem Wasser zu huldigen, nicht uns“ betonte Georg Förster. Denn ohne Internet kann man leben, ohne Wasser aber nicht. Schon das Sammeln und Weiterleiten mit derzeit 40 Bauwerken, davon zwei Pumpstationen, sei ein anspruchsvolles Geschäft für den Gewässerschutz. Weil bei Starkregen die bis zu 100.000-fache Menge an Wasser anfällt als an trockenen Tagen werde künftig die Trennung von Niederschlags- und Schmutzwasser bei Neubaugebieten unumgänglich, das gehe auch die Gemeinden an.

Im Bild: Bürgermeisterinnen und Bürgermeister kümmern sich um Umwelt- und gewässerschutz: Holger Bezold (Dormitz), Gertrud Werner (Kleinsendelbach), Georg Förster (Buckenhof), Birgit Herbst (Spardorf), Rainer Horlamus (2. Bürgermeister von Uttenreuth) und Karl Köhler (Altbürgermeister von Uttenreuth) und beim „Tag der offenen Tür“ des AVS (von links). 

Durchschnittlich 4,4 Mio. Kubikmeter Abwasser werden in dem inzwischen 55 Jahre alten Pumpwerk in Buckenhof weitergeleitet, erläuterte Sachgebietsleiterin Claudia Robel den neugierigen Besuchern. Der Hauptsammler sei dafür eigentlich zu klein, vor allem bei den 12 Querungen der Schwabach, wo sich die Hauptleitung teilweise auf kleinere Querschnitte aufteilt. Aktuell habe man aber große Probleme mit Einwegreinigungstüchern im Abwasser: „Diese Tücher zerlegen uns momentan alles, nicht nur die Pumpen“.

AbwasserverbandIm Bild: Birgit Herbst und Georg Förster mit einer „Verzopfung“ aus Einwegtüchern, die im Winter die teure Pumpanlage stillgelegt hatte (das Exponat war gründlich getrocknet, zwischenzeitlich gefroren und im Hinblick auf Hygiene und Geruch problemlos zu handhaben). Die neue Verbandsvorsteherin und ihr Vorgänger appellieren dringend an die Vernunft des Gesetzgebers und der Verbraucher.

Einwegtücher: Kampf gegen die „Pumpenkiller“
Viertklässler der Grundschule Brand haben in Zusammenarbeit mit dem AVS in einem Forschungsprojekt untersucht, welche Tücher sich wie schnell im Wasser auflösen. Normales Toilettenpapier löst sich innerhalb von 20 Minuten auf, alle Feuchttücher und auch Papiertaschentücher sind nach 48 Stunden noch unverändert, wie eine Schautafel und eine Versuchsanordnung anschaulich verdeutlichten.

Das Ergebnis: Feuchttücher dürfen nicht in die Toilette geworfen werden!
Dies ist auch gesetzlich geregelt – anders als die Packungsangaben auf vielen Vlies-Feuchttüchern, die Eigenschaften wie „abbaubar“ versprechen. Das ist „eine dreiste Lüge“, ärgert sich Birgit Herbst, gegen die der Gesetzgeber endlich vorgehen müsse. An Pumpen und anderen technischen Einrichtungen verursachen diese Tücher oft zwei- bis dreimal täglich Störungen, die man aufwändig beheben muss. Pumpen, die 20 Jahre funktionieren könnten, werden durch diese „Verzopfungen“ mitunter nach zweieinhalb Jahren ersetzt oder teuer repariert werden.

AbwasserverbandIm Bild: Die Viertklässler der Grundschule haben es im Forschungsprojekt belegt: Anders als auf Packungen angegeben lösen sich Einwegtücher auch nach 48 Stunden nicht im Wasser auf, sondern können 20 Minuten nach Gebrauch teure technische Anlagen zerstören.

Letzte Aktualisierung ( Dienstag, 15. Mai 2018 )