Festung Rothenberg zeigte sich im Winterkleid

Veste Am letzten Freitag des Jahres 2017 bot der Kleingeschaidter Berg eine idyllische Aussicht in das Schwabachtal und die angrenzenden Landkreise. Zwar zeigten sich die Felder und Wiesen eher in schmucklosem grün und braun. Dafür präsentierten sich die höheren Lagen in zartem winterweiß: So funkelten im Nordwesten die Schnee tragenden Wipfel des mystischen Lindelberges und in östlicher Richtung ging gegen 14 Uhr über dem in der Sonnen glänzenden Hohenstein sogar der blasse Wintermond auf.

Im Bild: Einen sehr friedvollen Eindruck macht die Festung Rothenberg heutzutage an einem Wintertag, aber das war nicht immer so …
Text und Bild: Andreas Kummer


Einen friedvollen Eindruck machte besonders die Festung Rothenberg. Mit ihren wuchtigen Mauern thront sie auf dem gleichnamigen, fast 600 Meter hohen Berg bei Schnaittach und fügt sich von Eckental aus fast unsichtbar in die Landschaft ein. Scheint jedoch die Sonne und ist die Luft klar, kann die ehemalige Veste mit einem starken Teleobjektiv vom Kleingeschaidter Berg aus durchaus gut am Horizont beobachtet werden – vor allem dann, wenn sie von zartem Schnee umgeben ist und sich so von den noch grünen, darunter liegenden Hängen abhebt. Allzu ruhig und friedlich, wie sich die Festung Rothenberg zum Jahreswechsel 2017/2018 präsentiert hat, war ihre knapp 800 Jahre alte Geschichte indes keineswegs. Vor genau 500 Jahren zum Beispiel nannte sich ein Adliger ihr Herrscher, der zu den größten Feinden der Reichsstadt Nürnberg zählte: Der berühmte Strauchritter Konrad Schott von Schottenstein.

Um das Jahr 1500 trieb dieser oft nur „Kunz Schott“ genannte Ritter im Reichswald sein Unwesen und raubte, mordete und brandschatze zum Schaden Nürnbergs. So überfiel er 1499 bei Eschenau mit 100 Reitern 24 Nürnberger Stadtsöldner und tötete drei von ihnen. Besonders übel spielte Schott auch dem Nürnberger Bürgermeister und Ratsherren Wilhelm Derrer mit, der ihm für seine Raubzüge immer wieder in Briefen mit Strafen gedroht hatte. Bei Erlenstegen lauerte Schott dem arglosen Derrer auf und ließ ihm von seinen Schergen sogar die rechte Schreibhand abhacken. Mit den Worten, er könne die abgeschlagene Hand seinen Kollegen im Nürnberger Rat mitbringen, soll Schott die abgetrennte Gliedmaße dem Derrer sogar in dessen Wams gesteckt haben. Doch diese wilden Zeiten, in denen Willkür und die Macht des Stärkeren zählten, sind bei uns zum Glück vorbei. Und so wird die Festung Rothenberg spätestens 2029 wieder von sich reden machen: Denn dann wird es 300 Jahre her sein, dass das Bauwerk, wie es sich in seiner heutigen markanten Form zeigt, über einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten errichtet worden ist.
Letzte Aktualisierung ( Donnerstag, 25. Januar 2018 )