Keine Feuerbestattungen in Igensdorf
Zu viel Gegenwind in den Bürgerversammlungen
In der letzten der diesjährigen Bürgerversammlungen im Landgasthof Drei Linden in Etlaswind hörte Bürgermeister Wolfgang Rast noch einige Argumente gegen die Pläne, ein Grundstück für die Errichtung einer gewerblichen Feuerbestattungsanlage zu verkaufen. Bereits am Vortag in Stöckach hatte man Besuchern aus Weißenohe ein Rederecht eingeräumt und recht emotionale Gegenstimmen gehört.

In Etlaswind wurde sehr sachlich argumentiert, ob man für die wenigen freien Gewerbeflächen nicht andere Käufer finden könne, deren Betriebe weniger Fragen aufwerfen und mehr Arbeitsplätze bieten könnten. Inzwischen hat der Interessent seine Anfrage selbst zurückgezogen, um das friedliche Miteinander in der Gemeinde nicht zu beeinträchtigen.

Positive Entwicklung fortsetzen
Vor der Diskussion stellte Wolfgang Rast in einem Überblick die
Situation der Marktgemeinde Igensdorf dar. Mit steigenden Geburtenzahlen und mehr Geburten als Sterbefällen konnte man zu Jahresbeginn 5.205 Einwohner zählen.
Im Frühjahr habe der Gemeinderat die Erstellung eines Gemeindeentwicklungskonzeptes beschlossen als Planungsgrundlage für alle Ortsteile. Die Arbeitslosenquote liegt mit 1,4 Prozent noch deutlich unter dem Landkreisdurchschnitt von 2,3 Prozent. Die Breitbandversorgung wurde im Sommer vollendet, bei Tiefbaumaßnahmen wird der künftige weitere Ausbau durch die Mitverlegung von Leerrohren gleich berücksichtigt. Die Feuerwehren können sich freuen, dass für die Sanierung von Feuerwehrhäusern Mittel in den Haushalt 2018 eingestellt werden.
Ausreichend viele Kinderbetreuungsplätze können derzeit noch mit einer provisorischen Containerlösung in Unterrüsselbach bereitgestellt werden, ab September 2019 soll diese durch eine neue KiTa dauerhaft ersetzt werden. Für die um 30 auf 250 angewachsene Zahl von Grundschulkindern wurde statt der Mittagsbetreuung eine Offene Ganztagsschule eingeführt, in die nach ersten Anfangsschwierigkeiten ein geregelter Betrieb eingekehrt ist.
Für die – vor allem haustechnische – Generalsanierung der Lindelberg-Kulturhalle habe man einen langwierigen und komplexen Prozess der Entflechtung durchführen müssen, erklärte Wolfgang Rast. Die Anbindung von 15 Häusern an ein Nahwärmenetz, neue Verträge mit dem Bayernwerk und die Ablösung des Nutzungsrechtes des
FC Stöckach haben den Weg freigemacht für die Ausführungs- und
Genehmigungsplanung.

Vorschriften verteuern Baumaßnahmen
Die Arbeiten am gemeinsamen Bauhof mit Weißenohe ruhen derzeit, weil verschärfte Vorschriften für Aushubdeponien die Abfuhr der Böden, die natürliche Spuren von Arsen, Kadmium und Zink enthalten, um mehr als das Dreifache verteuern. Deshalb sucht man bis zum Frühjahr nach Möglichkeiten, möglichst viel Material am Bauplatz zu belassen.
Die genannten Vorschriften verursachten auch Probleme bei der Erneuerung einer Wasserleitung nach Oberrüsselbach. Im Bereich der Wasserversorgung ist mittelfristig die Errichtung einer neuen Aufbereitungsanlage geplant, die idealerweise am noch zu findenden Standort eines neuen Brunnens das bestehende Wasserhaus in Pettensiedel ersetzen soll.
Mit einem derzeitigen Schuldenstand von 105.00 Euro oder 20,28 Euro Pro Kopf und einem Bestand an liquiden Mitteln von 800.000 Euro ist die Gemeinde für die künftigen Bauvorhaben finanziell gut aufgestellt.

Südwestliche Ortsteile fühlen sich abgehängt
Bei der anschließenden Behandlung der schriftlichen Anfragen und mündlichen Nachfragen wurde der Bürgermeister mit dem Vorwurf konfrontiert, dass die Ortsteile Etlaswind und Pettensiedel in vielen Belangen benachteiligt werden. Der Zustand der Buswartehäuschen, fehlende Sanitäranlagen am Jugendhäuschen in Pettensiedel sowie generell eine offensichtlich nachlässigere Pflege gemeindlicher Grünflächen wurden ebenso beanstandet wie fehlende Belegungszeiten für die Damengymnastikgruppe des ASV Pettensiedel.
Dass man der seit 30 Jahren bestehenden Damengymnastik durch die Schließung der Lindelberghalle für Sportbetrieb die Übungsräume genommen habe, sei nur ein Teilaspekt. Generell seien seit vielen Jahren die kommunalen Investitionen in neue Hallenkapazitäten an den Interessen der Bürger in Etlaswind und Pettensiedel vorbeigegangen. In Stöckach habe man alle Möglichkeiten direkt vor der Haustür, die Sportler des ASV Pettensiedel würden dagegen seit 30 Jahren mit verhältnismäßig wenig Unterstützung selbst für ihre Sportmöglichkeiten sorgen. Mit fast 4 Millionen Euro Sanierungskosten für die Lindelberg-Kulturhalle setze sich diese Entwicklung fort.
„Ich kann keine sechs Lindelberghallen bauen“, bedauerte Wolfgang Rast, aber für die künftige Hallennutzung werde man im Gemeinderat sicher eine Lösung finden. Die wird auch nötig sein, denn viele Vereine beklagen mangelnde und bezahlbare räumliche Möglichkeiten, um ihren Beitrag zu einem vielseitigen Gemeindeleben zu leisten.