Leserbrief
Täglich ein (zwei) Abenteuer – ein Schulweg in Eschenau
Breite Gehwege, verkehrsberuhigte Straßen, einen autofreien Weg abseits der Straße und Schulwegmarkierungen, die den Weg von Autos freihalten sollen – unser Sohn hat einen außerordentlichen Schulweg. Die Gemeinde hat sich wirklich einiges einfallen lassen. Deswegen möchte ich hier einmal etwas genauer davon berichten.
Wenn mein Sohn morgens das Haus verlässt, geht er zunächst auf einem breiten Fußweg in Richtung Schule. Dieser alleine wäre ziemlich langweilig, aber glücklicherweise ist der Gehweg sehr breit und teilweise auch komplett als Parkplatz markiert. So können Autos problemlos – auch in zweiter Reihe – darauf parken. Stehen sie möglichst nah am Zaun, müssen sie noch nicht einmal mit einer Seite auf der Straße stehen und die Kinder können üben, wie man am besten an ihnen vorbeikommt. Auch Mütter mit Kinderwagen können dies so auch schon frühzeitig ihren Kleinen zeigen.
Um die nächste Straßenecke hält die Gemeinde eine weitere Abwechslung bereit. Der Weg ist an dieser Stelle so eng, dass man hintereinander laufen muss. Die besonders knifflige Aufgabe besteht darin, entgegenkommende Personen vorbeizulassen, ohne dabei auf die Straße zu treten. Um das Ganze noch zu erschweren fahren die Autos, Busse und Lkws natürlich mit 50 km/h vorbei.

Etwas weiter kommt eine Drückampel. Das ist eine wirklich tolle Einrichtung, denn morgens ist die Ampelschaltung so eingerichtet, dass spätestens ab hier kein Schüler mehr alleine gehen muss. Während Grünphasen für Fußgänger gespart werden, damit die Autos nicht so oft anhalten müssen (Sie müssen ja schneller sein als die Autos, die die Ortsumfahrung nehmen), haben die Kinder genügend Zeit, auf Freunde oder andere Schüler zu warten.
Ist die Straße überquert, kommt ein verkehrsberuhigter Bereich. Das ist gut für die Schüler, denn hier gilt: „Wer ein Fahrzeug führt, muss mit Schrittgeschwindigkeit fahren (…), darf den Fußgängerverkehr weder gefährden noch behindern; wenn nötig muss gewartet werden (…), darf außerhalb der gekennzeichneten Flächen nicht parken (…) Wer zu Fuß geht, darf die Straße in ihrer ganzen Breite nutzen (…)“ (vgl. StVO, Anlage 3). Deshalb braucht man wohl auch keine Fußwege. Das wiederum ist gut für die Autofahrer, denn sie haben mehr Platz und können dann doch schneller aneinander vorbeifahren. Glücklicherweise parken die Autos nicht nur in den markierten Flächen, sodass die Schüler und alle Fußgänger sich noch einmal im Hindernislauf üben können. Dies geschieht hier unter erschwerten Bedingungen, weil das Ziel (der Fußweg) fehlt und das eigentliche Ziel der Fußweg ist, der nach dem verkehrsberuhigten Bereich beginnt.
Hat mein Sohn mit Mitschülern dieses „Level“ geschafft, wartet die nächste Herausforderung – ein Hotelparkplatz. Es gilt plötzlich losfahrenden Autos oder Lieferanten auszuweichen und den rettenden Fußweg durch die Wiese zu erreichen. Ein Hinweis auf Schüler oder eine Markierung als Schulweg würde das hier so kurz vor dem Ziel alles nur unnötig vereinfachen.
Nach einem kurzen Weg ohne jeglichen Verkehr kommt mein Sohn schließlich am Schulhaus an. Die Schulhaustüren hier sind geschlossen und werden auch nicht für 10 Minuten vor Schulbeginn geöffnet. Das ist auch gut so, denn sonst würde den hier ankommenden Schülern das letzte Stück ihres abwechslungsreichen Schulwegs entgehen. Dieser führt um das Schulhaus und auf einem markierten Weg um einen Parkplatz herum und endet vor dem geschlossenen (?) Zaun zum Schulhof abermals auf einem verkehrsberuhigten (!) Bereich. Ein Törchen durch eine beliebige Stelle im Zaun würde alles wohl abermals zu sehr vereinfachen. Dass der Weg dort endet, ist ebenfalls richtig. Wäre hier eine sichere Befestigung des Schulweges, könnten ja keine Autos halten, um Schüler auszuladen oder ein Bus stehen, um Schüler einzuladen. Auch die großen Mülltonnen könnten hier nicht direkt am Zaun zur Leerung abgestellt werden. Man fragt sich wirklich, warum zum Beispiel in Nürnberg vor zahlreichen Schulen Pfosten oder Ketten als Befestigungen der Wege zum Schulgelände vorhanden sind? Und ich frage mich, ob hier, genau wie in dem oben genannten Bereich, nur deshalb ein verkehrsberuhigter Bereich als solcher ausgeschildert wurde, um keinen Fußweg errichten zu müssen, der den Autos nur Platz wegnehmen würde? Hat sich mein Sohn mit den anderen Schülern hier durchgemogelt und den offenen Schulhauseingang erreicht, kann er sich auf einen ebenso abenteuerlichen Rückweg freuen.
Jetzt fragen Sie sich bestimmt, warum er trotz alldem jeden Tag diesen Weg läuft. Es ist der von der Schule ausgewiesene sicherste Schulweg aus unserer Richtung kommend.
Der andere Weg ist aber mindestens genauso interessant: Mit einer Ampelschaltung, an der Fußgänger sehr genau aufpassen müssen, ob ihnen nicht doch Autos den Vorrang nehmen, einem als verkehrsberuhigt ausgeschilderten Bereich, in dem Parken an engen nicht markierten Stellen geduldet wird und in dem die Autos den „Fußweg“ (oder ist es nur eine Regenrinne?) mitbenutzen, um zweispurig aneinander vorbei zu kommen. Außerdem gibt es auf der Strecke einen sehr unübersichtlichen Zebrastreifen, der auch noch in einer zu Schulzeiten sehr lebhaften Einmündung endet. Laut Aussagen eines Polizisten würden seit drei Jahren Bemühungen von der Gemeinde laufen, diesen so zu verlegen, dass er auch auf einem Fußweg endet. Dies sei aber bisher nicht erfolgreich gewesen.
Ja, Eschenau ist wirklich sehr bemüht, den Schülerinnen und Schülern und auch allen anderen Fußgängern auf ihrem Weg viele Gelegenheiten zu bieten, den sicheren Umgang im Verkehr mit all seinen Hindernissen ausgiebig zu trainieren.
Manuela Kreutzer – Mutter, die täglich mit ihren Kindern übt