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Berufsorientierung und individuelle Förderung Drucken E-Mail

Hauptschule EschenauDie Hauptschulen der Region stellen sich den sinkenden Schülerzahlen
Immer mehr Hauptschulen in Bayern stehen vor dem Aus. Demographischer Wandel, Image-Probleme und hoher Übertrittsdruck auf weiterführende Schulen sorgen für wegbrechende Schülerzahlen. Daher kann an vielen Standorten die notwendige Zahl von 15 Schülern pro Klasse nicht mehr gewährleistet werden. Doch in Heroldsberg, Eckental und Gräfenberg wehrt man sich mit neuen Konzepten „gegen das Schulsterben“. Dazu gehört auch, sich mehr auf die eigenen Stärken zu besinnen: Kleine Klassen mit fester Klassenlehrerbindung, individuelle Förderung statt „Gießkannenprinzip“, Praxis- und Berufsorientierung sowie flexible und abwechslungsreiche Stundengestaltung mit der Möglichkeit, auf schwächere Schüler einzugehen.

Die Volksschule Heroldsberg ist mit knapp 90 Hauptschülern die kleinste der drei Hauptschulen. Hier muss man bereits in absehbarer Zeit um die Existenz fürchten. Doch Schulleitung und Markt Heroldsberg sind sich einig: Die Hauptschule soll so lange wie möglich im Ort erhalten bleiben, sie ist ins Gemeindeleben integriert. Daher hat man ein ganzes Bündel von Maßnahmen ergriffen, so wurde eine offene Ganztagesschule eingerichtet, in der ein breites Potpourri an schulischen, sportlichen und kreativen Wahlfächern angeboten wird. Eine Förderlehrerin wurde eingestellt, um mit schwächeren Schülern intensiv zu arbeiten, eine andere Lehrerin kümmert sich um Projektarbeit und ein Schulverbund mit Eckental ist angedacht. Stolz ist Schulleiter Lenz Winklmann auch auf die nahezu 100-prozentige Vermittlungsquote für die Zeit nach der Schule.  

Ein großes Plus für jede Hauptschule ist die neue Möglichkeit (ab 1.8.2010) zur Mittelschule zu werden. Für diesen Status muss jedoch ein bestimmtes Anforderungsprofil erfüllt werden: Durchgängige M-Züge (Hauptschulklassen, worin man die mittlere Reife abschließen kann), drei Fachbereiche (Wirtschaft, Technik und Soziales) und Ganztagesbetreuung müssen angeboten werden. Heroldsbergs Hauptschule ist für diese Anforderungen zu klein. Die Eckentaler Hauptschule jedoch ist groß genug, um notfalls alleine Mittelschule werden zu können. Doch auch hier würde man sich über einen Schulverbund mit Heroldsberg freuen – Gespräche zwischen den beiden Gemeinden und Schulen fanden bereits statt. Aktuell besuchen Heroldsberger  Schüler einmal die Woche den Unterricht in Eschenau. Eckentals Rektor Horst Siebenkäs gibt aber zu bedenken: „Solange die Details der rechtlichen Rahmenbedingungen durch die Politik noch nicht geklärt sind, kann auch kein Schulverbund eingerichtet werden.“ Auch in Eschenau geht das Engagement der Lehrer weit über den normalen Unterricht hinaus: Streitschlichter, Schülerfirma, „Schule ohne Rassismus – Schule für Courage“ und natürlich das hervorragende Leichtathletik-Team sind nur einige Beispiele für Projekte an der Schule, die nicht nur Wissen, sondern auch soziale Kompetenz vermitteln sollen. Diesen Wert erkennen auch die Kommunen an und versuchen die Schulstandorte zu erhalten. So wird in Eckental das Schulgebäude für knapp 4,9 Mio. € und die Dreifachturnhalle für 2,8 Mio. € generalsaniert. In Heroldsberg saniert die Gemeinde Bau II für 900.000 € energetisch und setzt Brandschutzmaßnahmen in Höhe von 200.000 € um.  

An der Gräfenberger Hauptschule sieht man der Zukunft gelassen entgegen. Die Prognosen zeigen, dass bis mindestens 2015 keine Probleme mit sinkenden Schülerzahlen entstehen werden, kann Konrektor Georg Schmitt berichten. Hier wird man ebenfalls den Status einer Mittelschule beantragen. Die Anforderungen kann man alleine erfüllen. Allerdings: Sollte eine der Hauptschulen in Eckental oder Gräfenberg Probleme mit der Klassenbesetzung bekommen, könnte man unverbindlich zusammenarbeiten. In Gräfenberg hat sich eine besondere Konstellation herauskristallisiert: Die räumliche Nähe zur Realschule hat hier bereits zur Kooperation zwischen den Schulen geführt. Eine gemeinsame Ganztagesbetreuung und Quali-Vorbereitung existiert bereits, nun sind auch gemeinsame Kurse für leistungsschwächere Realschüler und bessere Hauptschüler angedacht. Und auch hier setzt man – zusammen mit einer Jugendsozialarbeiterin – viel auf Projektarbeit: Schülerfirma, Coolriders, ein internes Tutorensystem nach dem Motto „Schüler helfen Schülern“, und vieles mehr wird angeboten.

Alle drei Schulleiter sind sich einig: Das dreigliedrige Schulsystem ist längst nicht mehr so undurchlässig wie es lange Zeit war und die Hauptschule ist sehr viel besser als ihr Ruf. Viele Schüler wären hier gut aufgehoben und könnten sich durch Praxisorientierung und die persönlichere Betreuung besser entwickeln als dies auf weiterführenden Schulen möglich ist. Und lassen die Noten es zu, kann man jederzeit in den M-Zug wechseln und mit mittlerer Reife abschließen. Solange die politischen Rahmenbedingungen in einem Schulsystem, das sich im permanten Umbruch befindet, jedoch nicht geklärt sind, bleibt einem nur die kurzfristige Planung von Jahr zu Jahr.

Letzte Aktualisierung ( Mittwoch, 17. März 2010 )
 
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