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Im Dialog mit der Landwirtschaft Folge 07 Drucken E-Mail
Mahd Landwirte im wochenblatt-Land wollen informieren
Einer zunehmenden Entfremdung zwischen den Erzeugern und den Konsumenten von Lebensmitteln will eine Gruppe heimischer Landwirte aus dem wochenblatt-Land mit fachlich fundierten Informationen entgegenwirken. Die Vollerwerbs-Landwirte stehen durch die Bewirtschaftung der Kulturlandschaft in der Öffentlichkeit  – und stören sich an einer Berichterstattung, die oft geprägt ist von einem offensichtlichen und eklatanten Mangel an fachlichem Grundwissen.

Im Bild: Matthias Tauber beim ersten Grasschnitt am 13. Mai. Einen Monat später wäre die Ernte deutlich weniger nährstoffreich – zwar noch geeignet als Pferdefutter, aber für Milchkühe nicht ideal.


Aktuell treffen sich Martin Friedrich (Mitteldorf), Matthias Tauber (Kemmathen), Max Merkl (Mitteldorf), Julian Engelhard (Pettensiedel), Bernd Trummer (Pommer), Claudio Keiner (Lilling), Johannes Rohlederer (Kleingeschaidt), Thomas Härtel (Oberlindelbach), Gerhard Wölfel (Eschenau), Gerd Fensel (Oberschöllenbach) und Stefan Schaffer (Görbitz) zum Austausch.

Der erste Schnitt: „Warum mähen die jetzt schon?“
Schon in der zweiten Mai-Woche pöbelten Facebooknutzer über den „Wahnsinn in der Landwirtschaft“ nachdem sie eine erste Wiesenmahd beobachtet hatten. Warum beginnen die Bauern – diejenigen in der Gesprächsrunde meist in der zweiten Maihälfte – so bald im Jahr mit dem Mähen des Grünlandes? Kriegen die nie genug?

Entscheidend sind Nährstoffgehalt und Qualität
Natürlich spricht auch die Menge des Gesamtertrages dafür, drei bis maximal vier Mal pro Jahr die Wiesen zu mähen. Die wesentlichen Gründe aber gehen viel tiefer: Der beste Schnittzeitpunkt ergibt sich aus dem Verhältnis von Ertrag zu Inhaltsstoffen wie Zucker und Protein (Eiweiß), sowie Betacarotin und Vitaminen im Gras. Nach den sehr trockenen Wochen, als das Gras endlich zu wachsen begann, hatten die Bauern im Mai etwa fünf Tage Zeit, um Gras mit einem optimalen Eiweißgehalt zu ernten. Durch Nachsäen und Stickstoffdüngung mit Gülle kommt gutes Gras auf bis zu 16 Prozent Proteingehalt. Bei älterem Gras geht der Nährstoffgehalt wieder zurück.
Die Bayerische Eiweißinitiative der Landesanstalt für Landwirtschaft LfL soll seit 2011 die Abhängigkeit von Soja-Importen aus Übersee verringern. Neben Körnerleguminosen wie Ackerbohne, Erbse, Lupine und Sojabohne liegen die größten Potenziale einer heimischen Eiweißversorgung in einer verbesserten Grünlandnutzung. Von 2011 bis 2017 halbierte sich dadurch der Verbrauch an Sojaschrot in der Rinderfütterung auf 200 Gramm pro Tier und Tag – im bayerischen Durchschnitt, denn die meisten Kühe in der Region erhalten gar keinen Sojaschrot.
Vor allem Biobauern sind darauf angewiesen, frisch von der Wiese möglichst vitaminreiches Futter zu ernten, wobei auch die konventionellen Milchviehhalter in normalen Ertragsjahren auf teures Zusatzfutter lieber verzichten. Nebenbei bemerkt: Von 2000 bis 2017 hat sich auch die Zahl der Milchkuhhalter in Bayern halbiert.

Auch die Kühe schätzen gleichbleibende Futterqualität
Das frisch geschnittene Gras wird innerhalb von höchstens 24 Stunden siliert und unter Luftabschluss durch Milchsäuregärung konserviert. Dadurch bleiben die wertvollen Nährstoffe erhalten, die beim Trocknen für Heu teilweise verlorengehen. Man lagert zwar für den Winter auch  Heu ein, für das Grundfutter setzen die meisten Landwirte aber auf Silage und Vorratsfütterung. Diese sorgt für gleichbleibende Futterqualität und kommt durchaus auch dem empfindlichen Verdauungssystem der Kuh entgegen, erläutert Jullian Engelhard. Die bis in die 1970er und 1980er Jahre noch weiter verbreitete Grünfütterung mit frischem Gras brachte eine häufige saison- und wetterabhängige Futterumstellung mit sich, die auch die Kühe belastet: „Einige Tage ist das junge Gras sehr gehaltvoll und sorgt bei den Kühen für Durchfall oder sogar Aufblähungen, dann ist es einige Tage gerade richtig, bevor es schnell holzig wird und damit auch zu sehr an Inhaltsstoffen verliert. Bei der Silierung versucht man zum idealen Zeitpunkt zu ernten und damit eine große Menge Futter in bester Qualität zu erhalten“ erzählt Matthias Tauber. Der Verzicht auf Futterumstellungen und die Vorratsfütterung von Silage aus Gras und Mais hat in der Vergangenheit den größten Sprung in der Milchleistung erbracht, mehr als Zuchterfolg oder Zusatzfutter. Mit Silagefolien trägt man zwar leider zur Kunststoffverbrauch insgesamt bei, ergänzt Bernd Trummer, aber die alten Folien landen weder in der Landschaft noch in den Weltmeeren, sondern werden kostenpflichtig entsorgt. Um große Mengen hochwertigen Futters vor dem Verderben zu bewahren, wird relativ wenig Folie verbraucht im Vergleich etwa zu Lebensmittelverpackungen im Supermarkt.
Wenn bei Julian Engelhard am Haselhof im Sommer Kühe auf der Weide stehen, ist das ein schönes Bild – es sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Kühe auch im Herbst und Winter Hunger haben und auch der Bio-Betrieb für das Grundfutter über das ganze Jahr hinweg auf Silage aus Gras und Mais setzt.

Mähen, bevor die Kitze „unsichtbar“ werden
Dürfte die erste Mahd erst ab 15. Juni erfolgen, wie im Volksbegehren „Rettet die Bienen“ gefordert, dann wären Rehkitze, die noch spät im hohen Gras liegen, mit bloßem Auge nicht mehr zu erkennen, weiß Stefan Schaffer aus Erfahrung. Bei frühzeitiger Mahd zum fachlich optimalen Schnittzeitpunkt kann man die Kitze noch sehen. Von Anfang Mai bis Mitte Juni werden diese in die Wiesen gesetzt, erklärt Jäger Manfred Hopfengärtner auf Nachfrage. Beim Mähen arbeiten die Bauern meist eng mit den Jägern zusammen, die vorab informiert werden. Als Tierhalter sind leidende oder getötete Tiere auch für die Bauern sehr bedauerlich – abgesehen davon, dass diese auch die Silage vergiften. Viele Schlepper sind daher ausgestattet mit „Wildrettern“, die das Wild mit akustischen Signalen aufscheuchen sollen.

Anregungen und Fragen aus der Leserschaft sind immer willkommen, werden gesammelt und weitergegeben und (falls gewünscht öffentlich) beantwortet. Wer eine Frage an unsere Bauern hat, schreibt bitte mit dem Stichwort „Dialog mit der Landwirtschaft“ eine Mail an:  Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können
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