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Im Dialog mit der Landwirtschaft Folge 06 Drucken E-Mail
Kirschblüte Landwirte im wochenblatt-Land wollen informieren
Einer zunehmenden Entfremdung zwischen den Erzeugern und den Konsumenten von Lebensmitteln will eine Gruppe heimischer Landwirte aus dem wochenblatt-Land mit fachlich fundierten Informationen entgegenwirken. Die Vollerwerbs-Landwirte stehen durch die Bewirtschaftung der Kulturlandschaft in der Öffentlichkeit  – und stören sich an einer Berichterstattung, die oft geprägt ist von einem offensichtlichen und eklatanten Mangel an fachlichem Grundwissen.

Im Bild: In der Kirschblüte wurde vor Kurzem gegen Monilia-Krankheit behandelt. Das Präparat ist als nicht bienenschädlich eingestuft.
Integrierter Pflanzenschutz – bei Nacht und Nebel?
Wenn man abends Landwirte auf dem Feld sieht, die Pflanzenschutzmittel versprühen, könnte man denken, sie wollen dies heimlich und im Schutz der Dunkelheit tun. Das Gegenteil ist der Fall: Das Arbeiten am Abend, nach dem Bienenflug, soll Insekten vor der direkten Einwirkung der Präparate schützen. Zudem können auch reine Wassertröpfchen ohne jeden Wirkstoff bei starker Sonneneinstrahlung und Hitze manchen Pflanzen zunächst eher schaden als nützen.

Landwirte verwenden verschiedene Arten von Pflanzenschutzmitteln: Herbizide gegen Beikräuter und unerwünschten Bewuchs, zum Beispiel direkt unter Obstbäumen, Insektizide gegen Schadinsekten wie Kirschfruchtfliege oder Maiszünsler sowie Fungizide, welche die Pflanzen vor Pilzkrankheiten schützen. Viele Pestizide wirken gegen Krankheitsbefall durch Milben- und Spinnentiere – so wie Medikamente oder Impfungen bei Menschen gegen Krankheiten wirken. Schon in der Antike berichtete Homer von gebranntem Schwefel gegen Pilzbefall.
Pflanzenschutzmittel oder Pestizide sollen gegen „Pestis“ (lateinisch für Seuche, Geißel) wirken. Ohne jeglichen Pflanzenschutz würden nach Schätzungen von Agrarwissenschaftlern weltweit mindestens ein Viertel bis mehr als einem Drittel der Ernten verloren gehen – viel mehr als das, was heute als Verschwendung durch Wegwerfen zurecht beklagt wird. Getreide kann beispielsweise in feuchten Jahren so stark von Pilzen befallen sein, dass es durch gesundheitsschädliche Pilzgifte natürlichen Ursprungs für den menschlichen Verzehr und als Tierfutter nicht mehr geeignet ist. Zudem können Pflanzenschutzmittel die Qualität der Produkte verbessern und sichern, etwa für die Backeigenschaften.

Die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln ist für Landwirte, anders als für Gartenbesitzer, umfassend reglementiert und dokumentiert. Jeder landwirtschaftliche Anwender muss seine Sachkundigkeit nachweisen, jedes Präparat muss wissenschaftlich untersucht und behördlich genehmigt sein. Die Dosierung erfolgt heute wesentlich genauer als noch vor einigen Jahren und auch die Ausbringtechnik wird immer weiterentwickelt und gesetzlich reglementiert. Jede Anwendung muss vom Landwirt dokumentiert und begründet werden. Diese Aufzeichnung werden archiviert und müssen bei den turnusgemäßen Prüfungen vorgelegt werden.
Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ist für Bauern ein teures „Vergnügen“, deshalb verwendet man „so wenig wie möglich und nur so viel wie nötig“. Im ökologischen Landbau will man Herbizide möglichst vermeiden, indem man unerwüschten Bewuchs vor allem mechanisch entfernt – was andererseits wieder mehr Arbeitszeit und Dieselverbrauch erfordert. Aber auch hier werden Mittel eingesetzt wie zum Beispiel Kupferpräparate gegen Fäule und Bakterien, Schwefel gegen Mehltau oder Kali-Seife gegen saugende Insekten. Sowohl im ökologischen wie auch im konventionellen Landwirtschaft werden nur solche Wirkstoffe angewendet, die in entsprechenden Listen zugelassen sind.

Noch in den 1970er Jahren waren breit wirksame (und schädliche) Mittel gebräuchlich. Moderne Präparate wirken dagegen sehr selektiv auf bestimmte Schadinsekten, so wie das kürzlich von der Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) zur Bekämpfung des Eichenschwammspinners per Hubschrauber über den Wäldern bei Rüsselbach versprühte „Mimic“. „Moderne Mittel bauen sich auch schnell ab“, erklärt Obsterzeuger Thomas Härtel. Und nicht bei jeder Fahrt mit dem Sprühgerät ist irgendein „Gift“ enthalten: Oft bringt man auf diese Weise auch gering dosiert Pflanzenstärkungsmittel oder Dünger aus, die sofort über das Blatt aufgenommen werden, die Pflanze gesund und widerstandsfähig erhalten und auch auf diese Weise einer Pilzerkrankung vorbeugen.
Die konventionell arbeitenden Landwirte im wochenblatt-Land praktizieren „integrierten Pflanzenschutz“ nach dem Schadschwellenprinzip: Beikräuter, Schadinsekten und Pilzsporen werden in gewissen Grenzen toleriert, erst wenn eine wirtschaftliche Schadschwelle überschritten wird, ergreift man Pflanzenschutzmaßnahmen. Vorbeugender Einsatz von Fungiziden gegen Pilze erfolgt nur, wenn feuchtwarmes Wetter massiven Pilzbefall erwarten lässt. Vergangenes Jahr, erklärt Matthias Mauber aus Kemmathen, sei der Absatz und Einsatz an Pflanzenschutzmitteln wegen der Trockenheit stark zurückgegangen. Flächen mit Futtermais hat er teilweise gar nicht, andere nur mit stark verringerter Konzentration behanden müssen.

Anregungen und Fragen aus der Leserschaft sind immer willkommen, werden gesammelt und weitergegeben und (falls gewünscht öffentlich) beantwortet. Wer eine Frage an unsere Bauern hat, schreibt bitte mit dem Stichwort „Dialog mit der Landwirtschaft“ eine Mail an:  Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können
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