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Der Eisenzeit auf der Spur Drucken E-Mail

Ausgrabungen Abschluss der Grabungen in St. Helena
Die archäologischen Grabungen in den vier hallstattzeitlichen Grabhügeln von Sankt Helena mit ihren besonderen Funden aus längst vergangener Zeit sind nun abgeschlossen. Zu verdanken ist der außergewöhnliche Fund der Grabhügel, Armin Thomschke. Er entdeckte Anfang 2012 Scherben auf einer Ackerfläche südwestlich von Großengsee, ein Ortsteil der Gemeinde Simmelsdorf im nördlichen Nürnberger Land.

Im Bild: Unter den Archäologiestudenten, die nun den vierten Grabhügel freilegten, war auch Lilith Winkler aus Weißenohe (rechts).

Bei einer Begehung wurden die noch schwach ausgeprägten Erhebungen im Ackerland bereits im Frühjahr 2012 mit GPS eingemessen. Danach begannen die Grabungen.
Das Fundmaterial, bestand aus Scherben sowie menschlichen Schädelknochen mit anhaftenden Spuren von Kupfersalz was dadurch auf die Reste von hallstattzeitliche Gräber hinwies. Aufgrund der Bewirtschaftung des Ackers bestand hier akuter Handlungsbedarf. Der nördliche Grabhügel 1 wurde im Sommer 2012 vom Institut für Ur- und Frühgeschichte der FAU unter Beteiligung der Naturhistorischen Gesellschaft Nürnberg vollständig ausgegraben. Der bereits stark zerstörte Hügel 1 des Gräberfelds enthielt ein Frauengrab mit Schmuckbeigaben, darunter ein bronzener Halsring mit Felderzier und zwei Armringe sowie eine Kette aus Bernsteinperlen.

Etwa fünf Wochen dauerten die Grabungsarbeiten allein für den Grabhügel 1. Nach nur rund 25 Zentimeter Abtragung des Ackerbodens wurde erhöhte Aufmerksamkeit erforderlich um nichts von den Resten des Hügelgrabes zu zerstören. Durch Flurbereinigung sowie durch Pflügen und die natürliche Erosion lagen viele Steine nicht mehr in ihrer ursprünglichen Lage. Das Steinpflaster war nur noch im Zentrum auf einer ovalen Fläche von etwa 10x8 Meter flächendeckend erhalten. Der äußere Steinkranz war zu einem Viertel noch erhalten und deshalb konnte man den Durchmesser auf etwa 15 Meter bezeichnen.

Diese Schätzung wird auch durch die Freilegung vom südlich gelegenen Grabhügels 2 im Sommer 2013 gestützt, welcher ein weitgehend intaktes Steinpflaster von 15 Meter Durchmesser aufweist. Auf der Suche nach früheren Pfostenstandorten unter dem Grabhügel entdeckten die Archäologen 2017 überraschenderweise auch Pflugspuren eines hölzernen Hakenpflugs auf etwa vier Quadratmeter unterhalb der Grabkammer. Es ist der erste sichere Beleg von Pflugspuren unter einem Grabhügel in Bayern, erklärt die Professorin Doris Mischka von der FAU Erlangen. Sie vermutet, dass die Spuren zeitnah durch den Hügelbau konserviert wurden und berichtet von weiteren spannenden Entdeckungen in dem größten von insgesamt vier in der älteren Eisenzeit angelegten Grabhügeln.

Hügel Nummer 2 hat einen Durchmesser von über 19 Metern. Hier konnte man den Aufbau des Hügelgrabes noch im Detail nachvollziehen – von der hölzernen Grabkammer bis zu den Schichten mit Steinen und Erdmaterial. Ein 96 Zentimeter langes Eisenschwert, bei dem der Knauf fehlte, lässt vermuten, dass es sich bei dieser Bestattung wohl um einen Häuptling gehandelt hatte. Weitere Fundstücke in diesem Grab waren neben Zähnen und Knochen auch eine Reihe von künstlerisch gefertigten Nadeln, welche zum Verschließen der Bekleidung dienten, sowie ein Bernsteinring, der nur durch den besonderen Spürsinn einer Studentin entdeckt wurde. Ferner brachten die Fachleute in dem Hügel, der etwa 800 Jahre vor unserer Zeitrechnung angelegt wurde, auch zwei Klapperbleche ans Tageslicht.

AusgrabungenWertvolle Erkenntnisse aus der Kultur der der Hallstattzeit
Fast sechs Jahre nach Beginn der Grabungen wurden nun die Dokumentationen und die Grabungsarbeiten für diesen bedeutenden Grabhügel fertiggestellt und beendet. Der Grabhügel des Schwertträgers gehört mit seiner Erbauung in der Hallstattkultur zu den ältesten bekannten Gräbern. Erst danach widmen sich die Urzeitforscher dem Hügel 3 und zuletzt auch Grabhügel 4 für die abschließende Auswertung und Dokumentation.


Im Bild: Rund zwei Jahre dauert nun die Auswertung mit der vollständigen Dokumentation des letzten Grabhügels in Sankt Helena. Zu sehen ist jetzt nur noch ein großer Steinhaufen am Rand des Feldes.


AusgrabungenIn den vergangenen Wochen wurde der vierte und letzte Grabhügel auf der Hochfläche  Schicht für Schicht freigelegt. Auch hier wurden die zeitgeschichtlichen Forscher nach dem Abtrag der Steinschicht schnell fündig, wenngleich nicht mit den Erwartungen auf reichliche und gut erhaltene Grabbeigaben. Unter – dem ersten Anschein nach – gut erhaltenen Grabhügel fanden die Studenten um den örtlichen Grabungsleiter, Marcel Rodens, erst einmal nichts Spektakuläres. Als sich die Grabungsmannschaft dann Zentimeter für Zentimeter langsam in die Tiefe vorarbeitete, traten die ersten Fundstücke ans Tageslicht. Zunächst Scherben und vereinzelte Knochenstücke, doch dann entdeckte eine Studentin eine Bronzenadel. Mit Spachtel, Pinsel und Staubsauger folgte nun nur noch Millimeterweise der Abtrag der Erde.

Im Bild: Mit Spachtel, Pinsel und Staubsauger wurde millimeterweise Erde abgetragen, dabei entdeckten die angehenden Archäologen einen Oberschenkelknochen eines Menschen..

So entdeckten die angehenden Archäologen den Oberschenkelknochen eines Menschen. Trotz intensiver Suche wurden nur Skeletteile der linken Körperhälfte gefunden. Der Schädel fehlte komplett. Warum dies so ist, darüber sind sich auch die Fachleute nicht einig. Es könnte die Bodenzusammensetzung sein oder auch eine intensive Düngung welche die Knochen in unterschiedlichen Zeiträumen zersetzte, so erklärt Grabungsleiter Rodens. Nun werden die Knochen noch zur genetischen Auswertung nach Kiel versendet. Viele Säcke mit Erdabraum aus dem Inneren werden noch im Institut geschlämmt um kleinste Funde nicht zu übersehen. Andere Spezialisten werten die organischen Funde aus und die Bronzenadel sowie die Scherben werden restauriert. Rund zwei Jahre dauert nun die Auswertung mit der vollständigen Dokumentation des letzten Grabhügels in Sankt Helena. Zu sehen ist jetzt nur noch ein großer Steinhaufen am Rand des Feldes. Am Ende einer Ausgrabung ist es auch erfahrenen Wissenschaftlern oftmals nicht möglich, das zunächst Vermutete später auch zu belegen. „Schade, dass wir fertig sind“ bemerkt Doris Mischka als Projektleiterin, denn die Hilfsbereitschaft und das Interesse an unserer Arbeit war sehr groß.

Die Grabungen waren als Lehrgrabung für Studenten der Archäologie ausgewiesen. Durchschnittlich waren zehn junge Studenten mit Eifer bei der Sache. Auch Lilith Winkler aus Weißenohe war unter den Studenten welche nun bei St. Helena den letzten Grabhügel freilegten. Die junge Frau ist im dritten Semester und war bereits im August letzten Jahres im Team dabei mit als im Hügel 3 einige Knochen einer vermutlich jungen Frau gefunden wurden.  Udo Schuster

Letzte Aktualisierung ( Mittwoch, 17. April 2019 )
 
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