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18. Heroldsberger Dichterwettkampf Drucken E-Mail
Poetry Slam Poetry Slam in der Gemeindebücherei
Der 18. Heroldsberger Poetry Slam fand wieder im Bürgersaal in Heroldsberg über der Bücherei statt. Der Saal war wie immer sehr gut besucht. Michel Jakob lieferte zunächst einen „Opfertext“. Darin äußerte er so manchen Wunsch an das Bier, das nicht sieben Minuten dauern sollte, bis es im Glas ist, am besten auch in Mengen wie der Rothenburger Meistertrunk (3,25 l), damit das Kölsch mal als Größenordnung verschwindet. Bier nicht im Sixpack, sondern im Sixty-Pack und eines, das keinen Kater hervorruft.

Im Bild: Moderator Michel Jakob hatte hochkarätige Slamer nach Heroldsberg eingeladen: Theresa Hahl aus Bochum (Finalistin der deutschsprachigen Meisterschaften), Slam-Superstar Tom Candussi aus Wien, Bayern Vizemeister Oliver Walter aus Spalt, Lenny Felling aus Mainz, Martin Weyrauch aus Kleinostheim und den amtierenden Frankenmeister Steven aus Erlangen.

Der erste Slamer war dann Oliver Walter aus Spalt, der bereits einmal in Heroldsberg aufgetreten war. Passend zu seiner frühzeitigen Weihnachtsstimmung brachte er den passenden Text mit dem Titel „Weihnachten 93“ mit. In dem Jahr war er gerade 15 und hatte die Kindheit hinter sich gelassen. Das bedeutet, dass er nicht ans Christkind glaubte und die Eltern für alle bescheuerten Geschenke verantwortlich sind.

Gegen ihn musste Theresa Hahl antreten, die mit einem „Garagendachgespräch“ dagegen hielt. Zwei Menschen reden über das, was ihre Phiolen im Kopf enthalten. Sonnenwindgefühle und Wolkenschiffe begleiten sie. Die Heidelbeere auf der Stirn zerdrückt, gibt den Segenspunkt der Hindi – bis die Nacht alle Wörter verbraucht hat.
Danach gab Steven aus Erlangen mit seinem Text „Hackfleischpizza“ zu Denken. Wenn einer fragt, was man so getan hätte, geht „Nichts“, als Antwort gar nicht. Heute muss alles aktiv sein: Strecken ist Aktiv-Yoga, Wegpennen ist Powernapping und NichtsTun war nach 1945 Widerstand! Rettung und Lösung wäre Nichtstun, was auch das CO2 reduzieren würde...
Slam-Superstar Tom Candussi aus Wien outete sich selbst und durch  seinen Dialekt als Quotenösterreicher. Zur besseren Verständigung erklärte er vorab, dass „Tschick“ eine Zigarette ist und „Kudern“ kichern oder blödeln bedeutet. Er hangelte sich zungenbrecherisch durch eine Hochzeitsgeschichte mit Braut Edeltraut und Bräutigam Bertam, Brauer Bruno und Bauer Bernd, die alle am Ende den Blaukrautfleck auf dem Brautkleid sehen Martin Weyrauch sprach über Menschen. 7,5 Milliarden sind es und sie haben sich so viel zu sagen! Er stellt Fragen, deren Antworten kaum zu ertragen sind. Was macht Menschen aus? Darüber weiß er eine ganze Menge zu berichten. Auch, dass alle wundervoll sind!

Lenny Felling aus Mainz konterte mit seinem Text über Bösartigkeit. Er sieht fern und bemerkt, dass Stiefvater und Mutter zwar verschiedene Programme auswählen, aber darin immer etwas kaputt ist und wieder repariert werden soll. SUV-Besitzern rät er zu einer Operation, was billiger wäre als das Fahrzeug. Für H&M hat der den Slogan „Von Kindern für Kinder“. Er will jetzt auch nur noch böse sein.
Nach der Pause brachte Michel Jakob seinen Text, der ihm im Oktober eingefallen ist: Mobbing und Depression. Wer hat nicht schon Witze über Daniel Kübelböck gemacht? Jetzt hat er sich das Leben genommen. Seine Depression als Ergebnis jahrelanger Ausgrenzung. Er hat eine Erinnerung an Daniel, als die Kleinkunstbühne im Wohnhaus von Daniel Kübelböck eingeweiht wurde und Daniel ganz hinten im Saal stand. Aber Michel hat es nie geschafft ihn als Nachbarn zu begrüßen und einmal mit ihm zu sprechen, ihm Mut zuzusprechen, sein Ding durchzuziehen. Die meisten von uns schaffen das nicht!
Nach diesem nachdenklichen Text folgte noch ein Einminüter, um die Stimmung wieder aufzufangen: Der Angler und der Anglist diskutieren über die Angel und enden in der Feststellung: „the Anglist is no longer fisherman‘s friend.“

Im Halbfinale startete Steven aus Erlangen mit „Superfood“. Alle Jahre gibt es einen Lebensmittelskandal. Nichts kann man mehr essen. Gegen Überbevölkerung könnten vergiftetes Obst, Salmonellen oder Kannibalismus helfen. Wobei Strafgefangene tabu sind, denn die sind in Käfighaltung.
Tom Candussi ging mit dem grammatikalischen Stilmittel „Homogramme“ in den nächsten Wettstreit. Phonetisch verwechselbare Worte kombinierte er geschickt zu einer Geschichte um Anne und Ernst auf Hochzeitsreise, wo sie ein Schloss mit hohem Ansehen ansehen und ein Geier Aas aß. Damit gewann er vor Steven im Kontest.
Die zweite Halbfinalrunde mussten nun Theresa Hahl und Lenny Felling gegeneinander antreten. Theresa Hahl erzählte vom Herz, Herzklopfen mit Achterbahnfahrten ins Kardiogramm. Ihr Herz bringt sie in Verlegenheit. Freude ist nicht Traurigkeit und die Verneinung aller Dinge ist Gleichgültigkeit, stellt sie fest.
Lenny konterte mit seinem Text über sich selbst. Seine dünne Erscheinung lässt manchen sagen: „Mensch iss mal was“. Seine fettarmen Rippchen sind keine Flirtskills. Das „e“ in Lenny steht für einsam meint er, denn eine Frau könnte sich an seiner Schulter ein Auge ausstechen! Damit gewann er gegen Theresa Hahl und musste in der Endrunde gegen Tom Candussi antreten.
Tom gab die Geschichte über „Das Vergehen der Buchstaben“ zum Besten. In einem tiefen Tal ist ein kleines Dorf in dem die Menschen ein unbeschwertes Leben leben. Bis sie bemerken, dass nach und nach die Buchstaben verschwinden, weil sie nicht miteinander reden.
Lenny Felling konterte mit der Beschreibung seines kleinen Heimatdorfs in NRW mit 250 Einwohnern, in dem Ruhestörung ein Fremdwort ist und ein abgeerntetes Maisfeld als Vorlage für den Friseur dient.
Im letzten Applaus kürte das Publikum dann Tom Candussi zum Sieger, der mit seinen Wortspielen Viele überzeugen konnte. Am Ende gab es für alle Slamer den obligatorischen Rotwein, der am Ende gemeinsam gertrunken wird.
Der nächste Poetry Slam in Heroldsberg ist für Freitag, 22. Februar, 2019 geplant.
 
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