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Gorch Fock 60. Jahrestag der Schiffstaufe der Gorch Fock
Hermann Schmidgruber ist ein „Gorch-Fock-Fahrer“: „Wer einmal zur See gefahren ist, der kommt tief in seinem Herzen nie mehr los vom Meer. Die Erinnerungen an die Fahrenszeit sind für ihn ein ständiger Begleiter in seinem Leben. In besonderem Maße trifft dies auf die Seeleute zu, die ihren Dienst auf dem deutschen Segelschulschiff Gorch Fock verrichteten.“
Nach seiner vierjährigen Dienstzeit bei der Bundesmarine zog der gebürtige Heroldsberger nach Brand, wo er seither lebt, unter anderem seit 41 Jahren aktiv Tischtennis spielt und fünf Mal Vereinsmeister des TSV Brand war.

Anlässlich des 60. Jahrestages der Schiffstaufe der „Gorch Fock“ hat er für die wochenblatt-Leser ein paar Erinnerungen aufgeschrieben und alte Fotos herausgesucht, die von der Redaktion um Bildmaterial vom Marinekommando in Rostock ergänzt wurden. Die Gorch Fock erlebte am 23. August 1958 ihre Schiffstaufe und ihren Stapellauf und wird derzeit überholt. Die Instandsetzungsarbeiten sollen bis Mitte 2019 dauern, dann soll die Gorch Fock bis über das Jahr 2030 hinaus als Segelschulschiff genutzt werden.

Im Bild: Der 21-jährige Hermann Schmidgruber vor „seinem“ Schiff.


Meine Zeit auf diesem stolzen Schiff

Während meiner Dienstzeit bei der Bundesmarine wurde ich am 1. April 1961 für einen Fachlehrgang auf das Segelschulschiff „Gorch Fock“ abkommandiert und nahm an der 6. Auslands-Ausbildungsreise teil (bis heute hat das Schiff 165 solche Reisen rund um die Welt unternommen).

Bevor es jedoch auf große Fahrt ging, waren vier Wochen intensive Segelausbildung im Kieler Hafen angesagt. In vielen kräftezehrenden Übungsstunden wurden wir  unterwiesen, in die Masten aufzuentern, Segel zu setzen und zu bergen, sowie alles, was dazu gehört, um so ein Schiff sicher über die Meere segeln zu können.
Mein Platz bei Segelmanövern war die Obermars am Großmast. Dass diese intensiven Übungseinheiten, im Marinejargon ‚Rollenschwof‘ genannt, einen tieferen Sinn hatten, konnten wir an einigen stürmischen Tagen auf See eindrucksvoll am eigenen Leib erfahren. Nur mit den erworbenen Kenntnissen und Fähigkeiten konnten wir alle Wetterkapriolen sicher meistern.

Am 2. Mai war es dann soweit. Unter den Klängen einer Marine-­Musikkapelle legten wir von der Tirpitzmole in Kiel ab und gingen auf große Fahrt. Die Reise führte uns durch die Ostsee an Dänemark vorbei, durch das Kattegat und Skagerrak in die Nordsee und schließlich in den Atlantik bis Island in die Hauptstadt Reykjavik. Fünf Tage verbrachten wir dort. Die Bevölkerung begrüßte uns ausgesprochen freundlich. Bei etlichen Busausflügen konnten wir die Naturschönheiten eines einzigartigen Landes kennenlernen.
Nach diesen ruhigen Hafentagen ging die Reise weiter über den Atlantik Richtung Irische See nach Frankreich. Die französische Korsarenstadt Saint Malo war der nächste Zielhafen. Auf diesem Kurs überquerten wir Ende Mai die Untergangsstelle des deutschen Schlachtschiffes Bismarck. Zum Gedenken an die ca. 2000 Marinesoldaten, die bei dieser Tragödie den Tod fanden, wurde dem Meer ein Trauerkranz übergeben. Vielen von uns jungen Matrosen lief ein kalter Schauer über den Rücken bei dem Gedanken, dass die Seeleute, die hier ihr nasses Grab fanden, gerade einmal in unserem Alter waren.

In Saint Malo wurden wir, wie auch vorher schon in Island, sehr freundlich willkommen geheißen, obwohl die Stadt während des Zweiten Weltkrieges große Zerstörungen hinnehmen musste.

Zeitgleich mit unserem Aufenthalt fand ein Treffen von Kap Hoorniers statt, an dem unser Kommandant, Kapitän zur See Erhard teilnahm. Kap Hoorniers sind Schiffskapitäne, die noch mit einem Segelschiff das berüchtigte Kap Hoorn umsegelt haben.

Nach fünf entspannenden Tagen, die wieder ausgefüllt waren mit Stadtbesichtigungen und Busausflügen zu berühmten Bauwerken in der näheren Umgebung, wie z. B. Mont St. Michel, legten wir wieder zur Rückreise ab. Wir segelten durch den Ärmelkanal, die Nordsee und weiter durch das Skagerrak und die Ostsee, zurück in unseren Heimathafen Kiel, wo wir am 22. Juni im Marinehafen anlegten. Dort erwarteten uns schon viele Angehörige, die zum Teil sehr lange Anfahrtswege auf sich genommen hatten, um uns, ihre Söhne, Freunde, Verlobte oder Ehemänner willkommen heißen zu können.

Insgesamt dauerte die Reise 53 Tage. Dabei wurden 4678 Seemeilen (etwa 8.600 Kilometer) zurückgelegt, 3258 Seemeilen davon unter Segel.
Das Leben an Bord des Schiffes war sehr hart. Man lebte zusammen mit ca. 90 Mann in einem Deck, das nur durch Spinde abgeteilt war. Eine Privatsphäre war nahezu nicht möglich. Geschlafen wurde in Hängematten, jeweils zwei übereinander. Während der Seetage war das Süßwasser rationiert. Ich erinnere mich, dass wir nach 14 Tagen erstmals duschen durften. Eine Wasseraufbereitungsanlage gab es damals noch nicht. Die Morgenwäsche mit einem Blechnapf voll Wasser fand an Oberdeck statt – und das bei jedem Wetter.

Bedingt durch die Seewachen und Bereitschaftswachen, die neben dem Tages-Dienstplan rund um die Uhr gegangen werden mussten, war auch der Schlaf während der Tage auf See sehr knapp bemessen.
Trotz all dieser Belastungen denke ich noch gerne an diese Zeit zurück, an die ganz besondere Bordgemeinschaft, die sich gerade auf Grund der harten Bedingungen in besonderem Maße herausgebildet hatte. Ich bin noch heute stolz darauf, dass ich auf diesem Windjammer fahren durfte, damals die „Weiße Botschafterin der Bundesrepublik Deutschland“ genannt. So geht es auch den Crewkameraden jener Zeit, mit denen ich nach 57 Jahren immer noch in Verbindung stehe.
Im Gorch Fock-Lied „Weiß ist das Schiff“, das der ehemalige Kommandant Hans Freiherr von Stackelberg schrieb, heißt es im vierten Vers:

Und müssen wir eines Tags von dannen zieh’n,
Und ist die Fahrenszeit vorbei,
Der Wunsch bleibt immer in den Herzen drin:
Wir wären ja so gerne noch dabei

Mit diesen Zeilen spricht er mir und sicher vielen anderen Gorch Fock-Fahrern voll aus dem Herzen, ob Offiziers- und Unteroffiziersanwärter, die auf diesem Segelschiff ihre Ausbildung erhielten, oder den Stammbesatzungen.
Hermann Schmidgruber
Letzte Aktualisierung ( Dienstag, 7. August 2018 )
 
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