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Von Mühlen, die klingen und glitzern Drucken E-Mail
Fotoausstellung Im restlos vollbesetzten Mühlboden der Frohnhofer Mühle eröffnete am Samstag der Eckentaler Photograph Helmut Meyer zur Capellen im Beisein der Familie Glaser von der Eichenmühle seine Ausstellung über die dortige Bronzemühle. Nach herzlichen Grußworten von Wolfgang Balk vom Mühlenerhaltungsverein e.V. aus Gräfelfing referierte Martina Switalski über die Umbruchszeit von der hölzernen, altdeutschen Mühle zur eisernen Kunstmühle, bzw. Industriemühle nach 1850. Der Tatsache, dass die Müller im deutschen Kulturgut eine hohe Stellung haben und in Märchen, Kinderversen, Kunstliedern und Volkslieder überdimensional hoch vertreten sind, trugen die Gäste singend Rechnung, denn alle sagen aus voller Kehle „Das Wandern ist des Müllers Lust“ mit.

Die Glaser’sche Bronzemühle wurde nach 1910 zur Metallverkleinerung umgerüstet und darf sich wohl als letzten florierenden Familienbetrieb im Gewerbe der Bronzemüller bezeichnen. Die Ausstellung ist noch bis zum 14. August 2018 zu den Öffnungszeiten des Mühlenlädlas donnerstags bis samstags zu sehen und bietet einen einmaligen Einblick in die silber- und kupferfarben überzogenen Werkstätten eines längst untergegangen geglaubten Handwerks.

Im Bild: Der Photograph Helmut Meyer zur Capellen mit der Historikerin Dr. Martina Switalski vor dem Foto eines „ausrangierten“ Bronzeengels in den Werkstätten der Glaser KG.
FotoausstellungHausgeschichte der Eichenmühle bei Igensdorf
Die Getreide- und Sägemühle am Aubach wurde innerhalb kürzester Zeit von der seit 1750 ansässigen Familie Kalb an Staudigel, Schwarzhaupt und schließlich Lehner, den  Urgroßvater des jetzigen Besitzers, Otto Glaser, weitergegeben, der vorher eine Metallpulverfabrikation in Trautenfurt an der Fränkischen Rezat bei Spalt betrieben hatte. Aufgrund der damaligen guten Wasserkraft des Aubaches installierte man 1910 in der fast leergeräumten Mühle Stempfer zur Metallzerkleinerung. Während man Anfang des 20. Jahrhunderts hauptsächlich Bronze, etwa für die Ofenrohre stampfte, so standen später auch Aluminium, Kupfer und Zink als Werkstoff für die Autolackindustrie oder Pyrotechnik und Goldbronze für zahllose Druckartikel im Mittelpunkt der Verarbeitung. Die Bronzeverarbeitung hatte im Nürnberger Raum bis zum 19. Jahrhundert keine Tradition und wurde erst 1815 als freies Gewerbe eingeführt. In den 1820er Jahren und v.a. mit Aufkommen des Jugendstils stieg die Nachfrage nach Bronze, die aus Schabin, den zerriebenen Metallresten der Metallschläger hergestellt worden war und durch Hinzufügung von Kupfer, Zink oder Blei eine rot-gelbliche Färbung erhielt. Die Pulverisierung, Sortierung und Schlämmung der Metallteile geschah mit Hilfe von Druckluft, Stampfwerken und Transmissionen der Wasserkraft. Die Bronzeherstellung war sehr gesundheitsschädigend und hochexplosiv.

Aluminiumstaubexplosion tötet 1954 Vater und Onkel
Jakob Glaser, Lehners Schwiegersohn, firmiert 1929 in Nürnberg unter Metallfederhalter und Bronzefabrik und zahlt sowohl für ein Werk in Nürnberg als auch für die Bronzemühle bei Stöckach Gewerbesteuer. Der 1933 geborene heutige Betreiber studierte im zweiten Semester Maschinenbau in Nürnberg, als sein Vater und sein (Paten)onkel 1954 gleichzeitig bei einer durch Aluminiumstaub ausgelösten Explosion ums Leben kommen. Daraufhin übernimmt Otto Glaser den Betrieb, den er mit einem Mitarbeiter führt und baut zunächst die Zinkmühle als gelernter Maschinenbauer selbst. Die Aluminiumpulverproduktion gibt er nach dem tödlichen Unfall auf. Bis heute werden nur noch Kupfer und Zink bearbeitet. Als Rohstoffe dienen Altmetalle. Die Metallmüllerei ist kein erlernbares Handwerk. Das Wissen um die Zerkleinerungs- und Fördertechnik sowie die genaue Zusammensetzung der Pulvermischungen innerhalb der Metallmühlen gleicht nach Aussagen von  Otto Glaser, einer „Geheimniskrämerei“. Solange von der Firma Spohrer in Nürnberg noch ganze Stampfmaschinen verkauft wurden, versuchten sich nach dem Zweiten Weltkrieg mehrere Firmen der Region in der Metallverkleinerung. Inzwischen sichert allerdings das Aufkommen neuer mechanischer und chemischer Methoden zur Bronzeherstellung dem Ausland einen Vorrang in der Bronzeherstellung und ließ die traditionelle Herstellungsweise ins Hintertreffen geraten. Fabrikationswerke wie die Eichenmühle überlebten nur dank der erfindungsreichen Maschinenbaukenntnisse des Besitzers und der überlieferten „Rezeptur“ der Produkte, so dass diese Schwabachmühle zu den fünf letzten Metallmühlen in Deutschland zählt.
1967 ersuchte die Firma Glaser KG um die wasserrechtliche Genehmigung zum Einbau einer neuen liegenden Francis Schachtturbine mit einem Schluckvermögen von 385l/s. Außerdem wurde der Turbinenboden tiefergelegt, damit ein besseres Verhältnis zwischen Saugrohrlänge und Rohrgefälle erreicht wurde.

Herstellung des Glitzerstaubs bis heute
Zum stattlichen Mühlenanwesen gehört neben dem 1913 gebauten Wohnhaus der Garten mit Pavillon, die Produktionsgebäude, der überdachte Lagerraum im Hof, der Turbinenraum, das Pförtnerhäuschen, die Wagenremise und diverse Lagerschuppen. Eine Ausstellung von Helmut Meyer zur Capellen ermöglicht nun einen seltenen Einblick in diese „geheimnisvolle“ Staubproduktion, in der die Alte Werkstatt mit transmissionsgetriebenen Drehbank zum Schweißen und Drehen abgebildet wird. Auch der Motorenraum mit zwei Gasmotoren und einem Dieselmotor verschafft anschauliche Einsicht in protoindustrielle Fertigungsweise auf dem Land. Höhepunkt des fotographischen Rundgangs ist sicherlich die gusseiserne Engelsfigur, die der Grabfigur für die 1954 verstorbenen Familienmitglieder Pate stand. Der Raum für die Aluminiumpulverproduktion wurde nach diesem Unglück stillgelegt und ist bis heute ein Menetekel. Im anschließenden Raum werden gepresste Aluballen aus Altmetall in der Trommel der „Zerreißmaschine“ zerrissen, in der darunter liegenden kleinen Maschine gehäckselt und in den Stempfer geblasen. Gegebenenfalls wird das Metall noch in einer Reinigungsmaschine für Zink gesäubert. Das „gestampfte Zinkpulver“ ist die Spezialität des Betriebs. Zink wird nach der Reinigung in der von Otto Glaser gebauten Kugelmühle „K 5“ zwischen Metallkugeln von drei bis zwanzig Millimetern Durchmesser gemahlen. Von dort aus gelangt es in die „Stempf“, wo es weiter zerkleinert wird und durch den angeschlossenen Plansichter, eine mechanisierte Siebung läuft. In diesem Raum herrscht beim Betrieb der Maschinen ein wahrhaft infernalischer Lärm, so dass man im wahrsten Sinne des Wortes sein eigenes Wort nicht mehr verstehen kann. Lebenslange Arbeit hier schlägt auf’s Gehör. Die letzten beiden Räume dienen zur Herstellung von Kupferpulver und zum Kupferschliff. Die Ausstellung bietet einen seltenen Einblick in lokale Handwerkskunst. Der hohen  Explosionsgefahr dieses Mühlentyps trägt die Gräfenbergbahn heute immer noch Rechnung. Wer dies liest und die Strecke kennt, weiß nun, warum sie mit gemäßigter Fahrt an der Mühle vorbei fährt.
Letzte Aktualisierung ( Dienstag, 15. Mai 2018 )
 
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