Home arrow Hintergrundinfos arrow Patrizier, Landpfleger, Forstmann und Landschaftspfleger
Donnerstag, 21. März 2019
 
 
 
Home
Leser–Service
Anzeigen-Service
fifi - der Firmenfinder
Kontakt
Suche
Impressum
Datenschutzerklärung
Lesezeichen setzen!
wochenblatt Hero
 
 
Private Kleinanzeigen
… aufgeben
… lesen
 
 
Das wochenblatt zwitschert jetzt mit!
 
 
Patrizier, Landpfleger, Forstmann und Landschaftspfleger Drucken E-Mail

Ewald Glückert Die heimische Kulturlandschaft sähe wohl anders, weniger attraktiv aus ohne sein Wirken. Eine gute, fast überfällige Idee von Hedwig Barthel, der Vorsitzenden der „Freunde des Neunhofer Landes“, einen Mann aus der Vergessenheit zu holen, der wesentlich zur Gestaltung nicht nur des Neunhofer Landes, sondern des ganzen Gebietes der ehemaligen Reichsstadt Nürnberg beigetragen hat: Ewald Glückert, dem Leiter des Stadtarchivs Lauf, kommt dieses Verdienst zu. Im Rahmen einer Mitgliederversammlung stellte er Carl Christoph Oelhafen von Schöllenbach (1709–1785) vor, ebenso universell gebildeten wie tatfreudigen Spross einer alteingesessenen Nürnberger Patrizierfamilie. 

Der Stammsitz Schöllenbach der Oelhafen, deren Wappen einen von einem Löwen getragenen dreifüßigen Kessel („Hafen“) zur Aufbewahrung und Erhitzung von Öl darstellt, geht zurück auf Sixt Ölhafen, der 1512 die Grundherrschaft über die Dörfer Unter- und Oberschöllenbach erwarb. Seine einflussreiche Stellung am kaiserlichen Hofe und die folglich enge Verbundenheit mit dem Hause Habsburg hinderten ihn nicht daran, der Reformation Luthers anzuhängen. Hatte er selbst diesen von Amts wegen auf dem denkwürdigen Reichstag zu Worms 1521 erlebt, so ging sein Sohn Hans in den Häusern Luther und Melanchthon ein und aus. Wichtige reformatorische Impulse verdankt die Beerbacher Kirchengemeinde der Familie Oelhafen, deren Gruft die Kirche unter dem Chorraum beherbergt.

Als Patrizier begleiteten die Familienmitglieder der Oelhafen wichtige Ämter im Reichsstadtregiment als Juristen, Beamte, Pfleger und im Militärwesen. Kontinuierlich häuften sie weiteren Grundbesitz an, so in Steinbach (b. Kleinsendelbach) in Buchschwabach (Lkr. Fürth), in Eismannsberg (b. Altdorf), in Neunhof und in Rupprechtstein (Neukirchen b. Sulzbach-Rosenberg).

Es war nicht abzusehen, welche besondere Gabe Carl Christoph Oelhafen (von und zu Schöllenbach auf Eismannsberg, Rupprechtstein und Neukirchen) 1709 in die Wiege gelegt bekam. Zwar schlug er zunächst den familienüblichen Weg einer reichsstädtischen Verwaltungslaufbahn ein, studierte hierfür Jura in Altdorf, der Nürnberger Universitätsstadt, wo sein Vater reichsstädtischer Pfleger war. Bald, 1737, wird auch er zum Pfleger ernannt, für die Ämter Velden und Hauseck (b. Hirschbach). Schließlich gelang ihm 1748 der Wechsel zum besser dotierten Pflegamt  Gräfenberg.

Seine angeborene Neigung offenbarte sich bereits beim Studium in Altdorf: Carl Christoph zeigt sich – für Studenten der Rechte bemerkenswert – sehr aufgeschlossen für die Natur. In seiner Gräfenberger Zeit tritt dieses Interesse voll zutage. Und es trifft, wie in Velden, auf eine von der Naturausstattung zwar vielfältige Juralandschaft, doch gedeiht nur ärmliche Landwirtschaft auf den meist trockenen Hängen, auch auf den „steinreichen“ Feldern der Jurahochfläche. Carl Christoph Oelhafen sieht sich gefordert als Landpfleger und Landschaftspfleger zugleich und es gelingt ihm, Ökonomie und Ökologie zu verbinden: Mit Obstbau – anknüpfend an spätmittelalterliche Versuche der Weißenoher Benediktinermönche – sollen nach seiner Idee mit der Vielfalt der Natur und Landeskultur vor allem auch die unzureichenden Verdienstmöglichkeiten in der Landwirtschaft verbessert werden. Er kann dabei auf einen im Vergleich zu heutigen Verhältnissen riesigen Schatz an Obstsorten zurückgreifen: nicht weniger als 153 Apfel- und 165 Birnensorten, so eine Auflistung von 1697. Später, mit der (Süß-) Kirsche, kommen auch Zwetschgen und Walnüsse in Mode. Heute sind Kirschgärten typisch für die Fränkische Schweiz, das größte Kirschenanbaugebiet Deutschlands.

Hätte C. C. Oelhafens Wirken einem Obst- und Gartenbauverein oder Landwirtschaftsamt heutiger Zeit Ehre gemacht, so ist es doch Ausfluss der Epoche der Aufklärung, in der Medizin, Naturwissenschaft, Land- und Forstwirtschaft wieder an Bedeutung gewann und das „breite Volk“ durch praktische Vorbilder aus den Ergebnissen dieser Wissenschaften Nutzen ziehen sollte.

Nach 16 Jahren erfolgreichen Wirkens in Gräfenberg kommt eine weitere – verwandte – starke Neigung zum Tragen, eine gewissermaßen familientypische: die forstliche. Seine hervorragenden botanischen Kenntnisse, verbunden mit einem Sinn für Ökonomie befähigten ihn für einen Posten im „höheren reichsstädtischen Forstdienst“: Er wurde Amtmann und Oberrichter des Reichswaldes St. Sebald. Ein wichtiges Amt, hatten doch die beiden Reichswälder (St. Sebald und St. Lorenz) für die Stadt Nürnberg allergrößte Bedeutung, besonders im Hinblick auf die Holzwirtschaft und eine nachhaltige(re) Holzversorgung, weswegen nicht weniger als sechs Ratsherren, die so genannten „Waldherren“ die Oberaufsicht hatten. Und, nach Gräfenberger Muster, gelang es ihm, den ziemlich ausgeplünderten Reichswald durch zahlreiche vorbildliche Pflanzungen, auch mit nordamerikanischen Gehölzen (sog. „Fremdländern“), aufzubessern.

C.C. Öelhafens Wirken reichte weit hinaus  über den Nürnberger Bereich, denn sein Hauptverdienst sind forstwissenschaftliche Arbeiten. Übersetzungen v.a. französischer Werke und eigene. Deren wichtigstes mit dem sehr ausführlichen Titel: “Abbildung der wilden Bäume, Stauden und Buschgewächse, welche nicht nur mit Farben nach der Natur vorgestellt, sondern auch nach ihrer wahren Beschaffenheit, nach dem Stand ihrer Blätter, nach ihren männlichen und weiblichen Blüten, Früchten und Samen, nach ihrem Wachstum und Alter, das sie gewöhnlich erreichen, nach ihrer Erziehung und Pflege, die sie erfordern, kurz und gründlich beschrieben sind“. Und ein Auszug aus dem „Nürnbergischen Gelehrten-Lexicon“: „…Noch mehr aber stiftete er sich durch seine uneigennützige Menschenliebe, stille Tätigkeit und Wohltun, wie durch seine ungemeine und immer noch in seinem Alter vermehrten Kenntnisse und ausgebreitete Korrespondenz in dem Herzen und Gedächtnisse seiner Zeitgenossen und der Nachkommen ein dauerndes Denkmal“.

Ehre und Anerkennung für seine wissenschaftliche Arbeit blieben nicht aus: 1771 wurde Carl Christoph Oelhafen von Schöllenbach in die „Akademie der Naturforscher Leopoldina“ berufen. 1652 war dieses Gremium in Schweinfurt gegründet worden, um eine Kommunikationsebene zu schaffen für Ärzte und Naturwissenschaftler. Dieser Akademie gehörte u. a. auch Oelhafens Landsmann an, der bedeutende Sohn der Stadt Lauf, Christoph Jakob Treu (1696-1769). Die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina mit Sitz in Halle an der Saale ist heute die älteste naturwissenschaftlich-medizinische Akademie der Welt.

Text und Fotos: Hermann Hatzelmann

Letzte Aktualisierung ( Mittwoch, 21. März 2012 )
 
< vorherige Meldung   nächste Meldung >
 
 
Das aktuelle Heft zum online-Blättern
 
 
Der Gloss'n Hans macht sich Gedanken
 
 

fifi findet
fifi - der pfiffige
Firmenfinder

 
 
Leserfotos

Leserfoto