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Medizinisches Versorgungszentrum geplant Die ambulante medizinische Versorgung außerhalb großer Städte ist ein vieldiskutiertes Zukunftsthema. Nun zeigen die Entscheidungen der Gesundheitspolitik auch im wochenblatt-Land Wirkung: Schon in der ersten Jahreshälfte soll in Eckental ein „Medizinisches Versorgungszentrum“ (MVZ) gegründet werden. Hinter der Einrichtung stehen das Universitätsklinikum Erlangen und ein Lehrstuhl für Allgemeinmedizin, der zum Wintersemester 2012 an der Medizinischen Fakultät der Friedrich-Alexander-Universität etabliert werden soll. Eine der Voraussetzungen für den neuen Erlanger Lehrstuhl – nach München der zweite in Bayern – ist eine ambulante Praxis, in der junge Allgemeinmediziner Erfahrung sammeln können. Im Medizinischen Versorgungszentrum in Eckental sollen drei Allgemeinmediziner sowie ein Arzt für Transfusionsmedizin und Hämostaseologie (Blutgerinnung) praktizieren.
Gemeinschaftspraxis wird zum MVZ Nachdem in Eschenau die Hausärzte Dr. Harald Betz und Dr. Andrea Helbig bereits seit eineinhalb Jahren erfolglos auf der Suche nach Nachfolgern waren, übernimmt das Universitätsklinikum für das MVZ deren Zulassungen. Zunächst soll der Betrieb in der bisherigen Gemeinschaftspraxis Dr. Harald Betz, Dr. Andrea Helbig und Dr. Marion Müller-Lechner in Eschenau weitergeführt werden, Mitte des Jahres ist ein Umzug in größere Räumlichkeiten geplant. Dr. Marion Müller-Lechner wird weiterhin ihre Patienten betreuen, und Dr. Harald Betz ist noch bis Jahresende für seine Patienten da. Ihm ist es ein Anliegen, dass die hausärztliche Versorgung vor Ort auch in Zukunft gewährleistet ist. Daher hat er vereinbart, dass der Standort im Ortskern von Eschenau bleibt und für seine Berufskollegen vor Ort keine zusätzliche Konkurrenz entsteht. „Eine Erweiterung ist nicht geplant“, erklärt Prof. Dr. med. Rainer Fietkau, stellvertretender ärztlicher Direktor des Uni-Klinikums. Auch sei der Standort außerhalb von Erlangen ganz bewusst gewählt worden: „Viele Ärzte möchten in der Stadt bleiben, wir wollten hier motivierend eingreifen und dafür werben, sich auch in einer Gemeinde niederzulassen“. Für Transfusionsmedizin und Hämostaseologie als zweite Fachrichtung neben der Allgemeinmedizin habe man sich bewusst entschieden, „um niedergelassenen Ärzten vor Ort keine Konkurrenz zu machen“. Die Gründung des MVZ wurde mit dem bayerischen Hausärzteverband abgesprochen, zwei niedergelassene Ärzte in unmittelbarer Nachbarschaft hat man über die Pläne informiert. Die Zustimmung des Zulassungsausschusses aus Vertretern von Krankenkassen und Ärztekammer stand bei Redaktionsschluss noch aus, galt aber als wahrscheinlich. Sorgen um die freiberufliche ärztliche Tätigkeit
Generell ist die Einführung von Medizinischen Versorgungszentren zur ambulanten Versorgung gesundheitspolitisch umstritten. Schon vor Jahren, als der Gesetzgeber MVZ als Maßnahme zur Kostensenkung einführte, wurde das Thema von niedergelassenen Hausärzten an das wochenblatt herangetragen – damals allerdings noch ohne direkten regionalen Bezug. Anders als in klassischen Arztpraxen sollen als „Leistungserbringer“ zugelassene Unternehmen auch mit Ärzten im Angestelltenverhältnis ambulante Versorgung anbieten können. Ziel ist unter anderem höhere Effizienz in der Nutzung von Räumen, Personal, Geräten und Verwaltungsstrukturen sowie direktere Kommunikation zwischen einzelnen Ärzten und verschiedenen Fachrichtungen. Allerdings arbeiten viele niedergelassene Ärzte ohnehin zunehmend zusammen in Gemeinschaftspraxen oder praxisübergreifenden Netzwerken. In der „Unternehmung Gesundheit Franken“ (UGeF) kooperieren über 80 Ärzte unterschiedlichster Fachrichtungen – darunter einige in Eckental und Igensdorf – um Synergien zu nutzen und ihren Patienten gemeinsam Vorteile zu bieten. Viele niedergelassene Ärzte fürchten angesichts zentraler MVZ um die Beziehung zwischen Patient und Arzt und damit die Qualität der Versorgung: Weisungsgebundene angestellte Ärzte könnten in ihrer Therapiefreiheit und Patienten in der freien Arztwahl eingeschränkt sein. Dass man durch dieses System den drohende Ärztemangel in der Fläche langfristig eher verschärft als gelindert sieht, hängt mit der klassischen Lebensplanung niedergelassener Ärzte zusammen: Der Erlös aus der Praxisübergabe an Nachfolger nach arbeitsreicher Laufbahn galt früher als finanzielles Ruhepolster. Doch immer weniger junge Mediziner wollen sich für eine eigene Praxis – so wie ihre Vorgänger – hoch verschulden, wenn der künftige Ertrag in Frage gestellt ist. Fehlende Nachfolger sind bereits bei manchen Eckentaler Ärzten ein akutes Thema, meint Sabine Rosenberg aus der Eckenhaider Praxis des Allgemeinmediziners Andreas Rosenberg. Sie sieht in einer Benachteiligung freiberuflicher Ärzte auch Nachteile für deren Patienten und plant im Frühsommer eine Informationsveranstaltung mit der kritischen Publizistin Renate Hartwig. Informieren will auch die Universitätsklinik Erlangen als Betreiberin des künftigen MVZ Eckental: Dieses entsteht aus der Weiterführung einer bestehenden Praxis, ist Basis für einen erfreulichen neuen Lehrstuhl in der Metropolregion und dient auch der wichtigen universitären Nachwuchs-Ausbildung. „Dass unsere Entscheidung zunächst Unruhe hervorrufen würde, war klar“ räumt Professor Fietkau ein. Daher ist auch eine Informationsveranstaltung im Februar vorgesehen: „Ich bin mir sicher, dass wir bestehende Ängste in diesem Rahmen zerstreuen können.“ |