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Das verschwundene Wolfsfelden bei Kalchreuth Mitten im Wald zwischen Kalchreuth und Neunhof gelegen, erstreckte sich einst ein Weiler namens Wolfsfelden. Heute erinnert nur der Name einer Lichtung – die „Wolfsfelder Wies’n“ – und einige Vertiefungen auf dem Feld, wo sich einst Keller befanden, sowie der Dorfteich an den Ort mit rund 70 Einwohnern, einer Gaststätte, einem Schloss und zwölf Wohnhäusern. Was war geschehen?
Helmut Horneber hat die Geschichte des Weilers in einer Untersuchung für die Bayerischen Staatsforsten aufgearbeitet. Vermutlich im 12. Jahrhundert gegründet, gehörte Wolfsfelden als Reichsgut zu Heroldsberg. Im Laufe der Zeit wechselten die Besitzer häufig. Im 16. Jahrhundert bestand der Weiler jedoch bereits aus einem Schloss mit einem Bauerngut und war relativ wohlhabend, bis es im 30-jährigen Krieg vollständig niedergebrannt wurde. 

Erst als im Jahr 1652 Hans Adam von Praunfalk Wolfsfelden erwarb, wurden Schloss und Gut wieder aufgebaut, gingen aber bald an verschiedene Besitzer. In den folgenden Jahren siedelten immer mehr Menschen im Ort. Die relative Größe des Walddorfes bot jedoch keine Sicherheit als im Jahr 1716 in einer Februarnacht 30 Bewaffnete mit vermummten Gesichtern in das Schloss eindrangen. Sie „banden die Bewohner an Händen und Füßen und zwar vornehm und gering, raubten sie aus und ließen dieselben in ihrem Blute liegen.“ 100 Gulden setzte der Rat der Reichsstadt Nürnberg als Belohnung aus, gefunden wurden die Räuber nie.

Im Zuge der politischen Umwälzungen zu Beginn des 19. Jahrhunderts ging Wolfsfelden letztlich an das Land Bayern. Nach dem Ende der Feudalherrschaft entwickelte sich das ehemalige Schlossgut zur freien Ortschaft im Gemeindeverband mit Kalchreuth.

Doch Wolfsfelden mit seinem Wirtshaus im Schloss wurde schon bald zum Dorn im Auge der Obrigkeit. Allerlei Gesindel bildete laut königlichem Forstamt den Hauptteil der Gäste und auch die Einwohner selbst standen nicht im besten Ruf. Wild- und Holzfrevel sowie andere strafbare Handlungen wurden ihnen zugeschrieben. Auch die Studenten aus Erlangen nutzten den abseits gelegenen Weiler gerne für Trinkgelage und Mensuren (Fechtkämpfe).Daher beschlossen die Forstverwaltung Heroldsberg und das Amtsgericht Erlangen Ordnung zu schaffen. „Durch die Bewohner von Wolfsfelden und durch die sich daselbst Rendezvous gebenden Schlingensteller, Vogelfänger und sonstiges Gelichter aller Art wurden und werden dem Wald die mannigfachsten Schäden zugefügt“, führten sie in ihrer Begründung auf.

Der Ort wurde nacheinander aufgekauft, die erworbenen Anwesen dem Erdboden gleichgemacht und die freigewordenen Grundstücke mit Fichten und Föhren aufgeforstet. Auch dem Schloss, das 1891 in den Besitz des Forstamtes überging, erging es nicht besser. 1895 lebte nur noch Johann Sperber, Besitzer des Bauerngutes, mit seiner Familie in Wolfsfelden. Er plante die Wiedereröffnung des Wirtshauses in seinem Gebäude und strebte nach einer Konzession für den Ausschank von Bier und Brandwein, denn schon damals war die Gegend bei vielen Erholungssuchende aus Fürth, Nürnberg und Erlangen ausgesprochen beliebt.

Neun Jahre lang versuchte er, die Konzession gegen die Widerstände der Obrigkeit zu erhalten.  Im Jahr 1900 verkaufte aber auch er und die letzten verbliebenen Gebäude wurden abgerissen. In seiner Denkschrift klagt er: „Nach Jahrzehnten werden die Schatten der Waldbäume diesen Ort umfrieden, wo einstmals das Recht eines Mannes mit Füßen getreten wurde, der in Treue, Ehre und Ergebung zu seinem Landesfürsten gehalten hatte.“

Heute pilgern jedes Jahr zum Vatertag Familien aus den umliegenden Gemeinden auf die Wolfsfelder Wies’n, wo sich einst der Weiler erstreckte. Das Fest, das mit musikalischer Umrahmung, Getränken und Speisen auch heuer wieder am Donnerstag, 2. Juni, von 10 bis 19 Uhr viele Besucher und junge Männer – zwar ohne Degen, aber mit Leiterwagen – in den Wald locken dürfte, geht jedoch nicht auf das Dorf Wolfsfelden zurück. Ursprünglich veranstalteten die Bayerischen Staatsforsten hier nur eine Mitarbeiter-Feier, die aber „Jahr für Jahr immer größer wurde“, wie Förster Hubertus Hadwiger berichtet.

Letzte Aktualisierung ( Mittwoch, 8. Juni 2011 )
 
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