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Flugzeugkatastrophe bei Oberrüsselbach Drucken E-Mail

Gedenktafel in Oberrüsselbach zum Flugzeugabsturz Vor 50 Jahren stürzte eine tschechische Iljuschin Il-18 auf einem Acker ab – 52 Menschen starben
Am 28. März 1961, kurz nach 20 Uhr, sitzt Landwirt Georg Läufer mit Frau Dina und Tochter Gertrud beim Abendessen auf seinem Hof in Oberrüsselbach, als er einen lauten Knall hört. „Die Erinnerungen an den Krieg saßen damals noch tief und so war mein erster Gedanke, dass ein Panzer, ein ,Tiger’, geschossen hätte“, erzählt er im Rückblick. Schnell sei er in sein Auto gesprungen und „über’n Berg gefahren“, um nachzusehen, was los sei. „Es hat geblitzt und gekracht“, erinnert er sich. Ein weiterer Knall war zu hören, als er sich einem Acker nähert. 100 Meter vor ihm liegt ein von kleinen flackernden Brandherden erhellter Trümmerhaufen, ein Flugzeugmotor hat sich tief in die Erde gebohrt. Er gehört zu einer Iljuschin Il-18 der tschechoslowakischen CSA, die eine halbe Stunde zuvor mit 44 Passagieren und acht Crewmitgliedern in Prag gestartet war. „Die Maschine ist damals jede Woche über uns hinweggeflogen – am Dienstag in die eine Richtung, am Freitag in die andere“, erzählt der 87-Jährige. An diesem Dienstag stürzte sie bei Oberrüsselbach ab. Noch kurz zuvor hatte der Pilot an die Kontrollstelle Eger gesendet: „Position Bayreuth, alles normal“. 

Vorsichtig näherte sich Georg Läufer dem Wrack, „aber es hat geknistert und gesprasselt. Außerdem gab es immer wieder kleine Explosionen und neue Brandherde flackerten auf“, erinnert er sich. Es war mitten im Kalten Krieg und er war sich nicht sicher, was in diesem Flugzeug transportiert worden war. „Es hätten ja auch Granaten oder Bomben sein können. Ich hatte ziemlich Angst“, beschreibt er die unheimliche Situation.

Auf einmal hört er Geräusche, ein US-Helikopter landet, zwei Amerikaner steigen aus, sprechen ihn auf englisch an. „Ich habe kein Wort verstanden, da hat dann der eine auf das Wrack gedeutet, ,russisch’ gesagt und abgewunken“, berichtet er. „Dann sind sie wieder eingestiegen und abgeflogen.“ Immer mehr Schaulustige trafen in den nächsten Stunden ein, die Rettungskräfte brauchten länger, erst gegen 23 Uhr begannen sie an dem mittlerweile komplett in Flammen stehenden Wrack mit ihrer Arbeit.

Am nächsten Tag wurde das Gelände abgesperrt. Ein regelrechter Sensationstourismus sei in den folgenden Tagen losgegangen, erinnert sich Georg Läufer. „Die Leute kamen von überall her. Die Stöckelschuhe der Damen verschwanden im Matsch, damals war ja hier nichts asphaltiert, und auf Strümpfen liefen sie dann zum Acker, um die Absturzstelle zu sehen“, erzählt er. Abends trafen sich die Oberrüsselbacher im Gasthaus „Zum Koppenwirt“, wo die wildesten Gerüchte über die Unglücksursache die Runde machten. „Mittendrin saßen immer zwei Kriminaler. Die dachten wohl, wir wüssten was“, amüsiert er sich noch heute.

Im Ort war man vor allem auf die Informationen von Georg Läufer senior, dem Vater von Georg Läufer, angewiesen, der die Helfer mit selbstgebranntem Schnaps versorgte und daher hinter die Absperrung durfte. Die Behörden gaben keine Informationen an die Bevölkerung weiter. Diplomatische Beziehungen zwischen Ost und West waren kaum vorhanden, so dass die Aufklärungsarbeit sich schwierig gestaltete. „Eine Woche lang wurde die Maschine komplett zerlegt und die Einzelteile weggefahren, angeblich zur Untersuchung nach Hannover“, erinnert sich Georg Läufer.

Die Ursache für diesen Unfall, der zu den schwersten in Nordbayern gehört, konnte nie geklärt werden. Heute erinnert eine kleine Gedenktafel, von dem Oberrüsselbacher Wilhelm Schäfer in der Nähe angebracht, an den Absturz.

Letzte Aktualisierung ( Mittwoch, 30. März 2011 )
 
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