Wenn in den kommenden Wochen im Erlanger Oberland beispielsweise in Brand, Kalchreuth und Eschenau, die traditionelle Kirchweih gefeiert wird, herrscht gewissermaßen Ausnahmezustand. Dann gibt es für Groß und Klein kein Halten mehr. Überall ertönt zünftige Musik, Kirchweihküchla duften, süffiges Bier fließt in Strömen und die Kirchweihburschen und -mädchen widmen sich althergebrachten Bräuchen, wobei im Lauf der schnelllebigen Zeit etliche Traditionen längst schon wieder vergessen sind.
In den Wirtshäusern fränkischer Kirchweihorte herrscht buntes Treiben. Schon seit Wochen laufen die Vorbereitungen dafür, einmal bei den „Kerwaboum“, aber auch in den Gaststätten und auf den Dorfplätzen, wo Buden, Karussell, Schieß- und eine Losbuden aufgestellt werden. Am Samstagnachmittag wird von den Kirchweihburschen der Baum eingeholt und aufgestellt. Da können die Burschen zeigen, was an Körperkraft in ihnen steckt. Am Montag wird der Betz’n ausgetanzt. Zur Unterhaltung spielen während der Kirchweih Musikkapellen, auch echte Blasmusik ist zu hören. Das Brauhaus in Brand Als Brand bis 1858 noch zur Pfarrei Beerbach gehörte, war das in der Ortsmitte befindliche Brander Wirtshaus und Brauereianwesen sehr beliebt. Nachdem seinerzeit der beflissene Beerbacher Pfarrer seine Gemeindeangehörigen besucht hatte, kehrte er gewöhnlich in genanntem Haus ein. So kam es, dass an einem heißen Sommertag der Pfarrherr seinen kräftigen Durst auch kräftig löschte und hernach den Wirt fragte: „Herr Gottschalk, was bin ich schuldig?“ „23 Seidla, Herr Pfarrer!“ „Ich hab doch nicht gefragt, wieviel ich getrunken habe.“ Eine kleine Antwort mit der Hand ergab darauf: „Nichts, Herr Pfarrer, es war ein Geschenk.“ Fritz Fink Kerwa zwischen Schule und Schloss
In wenigen Tagen feiert Brand – wie immer am 2. August-Wochenende – Kirchweih. Das Fest im viertgrößten der 13 Eckentaler Ortsteile ist ein Fest für die ganze Familie mit Festzeltbetrieb und attraktiven Fahrgeschäften. Vier Tage lang geht es rund zwischen Schule und Schloss bis am Montag um 19 Uhr musikalisch begleitet vom „Weisendorfer Soundexpress“ der „Betz’n ausgetanzt wird“. Festprogramm von Freitag, 6. August, bis Montag, 9. August
Freitag, 6. August 20.00 Uhr Bieranstich durch den Bürgermeister anschl. Festbetrieb mit „Appendix“
Samstag, 7. August 18.00 Uhr Einholen und Aufstellen des Kirchweihbaumes anschl. Festbetrieb mit „Die Lederhosen“
Sonntag, 8. August 09.00 Uhr Zeltgottesdienst 10.00 Uhr Großer Frühschoppen mit „Hannes + Daniel“ 11.30 Uhr Mittagstisch 17.00 Uhr Unterhaltungsmusik mit der Band „Live“
Montag, 9. August 10.00 Uhr Frühschoppen mit „Weißwurst“ und „Saure Zipfel“ mit Duo „Du und Ich“ 11.30 Uhr Mittagstisch 19.00 Uhr „Etz tanz mer unsern Betz’n aus“, für weitere Unterhaltung sorgt der „Weisendorfer Soundexpress“ Das Mitbringen von alkoholischen Getränken auf dem Festplatz ist nicht gestattet. Allgemeinverfügung in Brand
An der Brander Kerwa von Freitag, 6. August, bis Montag, 9. August, wird eine Allgemeinverfügung gelten. Dann dürfen auf den im nebenstehenden Plan eingezeichneten Flächen keine alkoholischen Getränke mitgebracht oder außerhalb der genehmigten Schankflächen auf dem Festplatz mitgeführt werden. Ausgenommen von der Regelung ist nur das Einholen und Aufstellen des Kirchweihbaumes sowie das Austanzen. Personen, die gegen diese Regeln verstoßen oder andere Passanten belästigen, können von der Polizei des Geländes verwiesen werden. Den genauen Wortlaut der Allgemeinverfügung finden sie hier... Vorsicht Festbetrieb
Am zweiten Augustwochenende herrscht wieder reger Verkehr in Brand: auf der Hauptstraße werden vor allem im Bereich um das Brander Schloss viele Fußgänger unterwegs sein. Auch wenn die Brander Hauptstraße inzwischen umfahren werden kann, herrscht doch reger Durchgangsverkehr. Das bunte Treiben in ausgelassener Feier-Laune sollte Anlass genug für alle Autofahrer sein, besonders vorsichtig und aufmerksam zu fahren. Vier Tage lang werden viele Kinder und feiernde Gruppen die Fahrbahn überqueren und die Gehwege bevölkern. Also die dringende Bitte an alle Autofahrer: Augen auf und Fuß vom Gas. Genauso gilt natürlich umgekehrt: Die Straße ist nicht zum Feiern da und sollte von den Besuchern mit der nötigen Umsicht überquert werden. Dass das Auto stehen bleibt, wenn sich der Fahrer mit kühlem Bier erfrischt hat, sollte selbstverständlich sein.
Evangelische Kirche Eschenau
Gottesdienst zur Brander Kirchweih Ursprünglich feierte man mit einer Kirchweih das Datum der Kirchenweihe. Zwar gibt es in Brand kein eigenes Kirchengebäude, aber einen Grund, Kirchweih zu feiern, haben die Brander allemal. Kirche besteht eben aus mehr, als nur dem Kirchengebäude. Kirche ist auch eine Gemeinschaft von Menschen, die sich zu dem einen Herrn Jesus Christus bekennen. Ob in Brand, Eschenau, Oberschöllenbach oder den anderen umliegenden Orten. Im Gottesdienst erinnern sich Christen, dass sie alle in die Nachfolge Jesu Christi gerufen sind. Sie denken daran, dass es den Glauben zur Gestaltung des Lebens und als Hilfe im Leben und auch im Sterben gibt. Gott dafür dankbar sein und den Glauben auch in frohen Zeiten zu feiern – deshalb feiern die Menschen Kirchweih. Sie sind herzlich eingeladen, neben den lauten Momenten des Kirchweihwochenendes am Sonntag, 8. August, um 9 Uhr im Festzelt auch die ruhigen Momente zu teilen und zu genießen Brander Kerwa-Sau eröffnet Fest
2009 im Trog hinaus, 2010 im Trog hinein Am Freitag, 6. August, startet in Brand die Kirchweih 2010. Bürgermeister Wilfried Glässer wird wie jedes Jahr mit dem Bieranstich gewohnt professionell die vier lustigen Tage eröffnen. Unterstützt wird er dabei von Stefan Marsing. Dieser hatte im vergangenen Jahr das Pech, als Kerwa-Sau dienen zu müssen. Traditionell wird die Kerwa-Sau von den Kerwaboum im Verlauf der Brander Kirchweih bestimmt. Beliebt ist der Job aber nicht, denn der Brauch will es, dass der Ausgewählte in einem Trog am Kirchweihmontag um Mitternacht durch das Zelt getragen wird. Hinter ihm marschieren mit Trauermiene die Kerwamadla und -boum und beweinen das Ende ihrer Feier. Auf dem Weg bis zur Bühne schütten alle verbliebenen Festzeltgäste ihre letzten „Nochala“ aus dem Glas über die Kerwa-Sau. Dort angekommen hält der „Pfarrer“ – in den Vorjahren stets souverän von Werner Ebenhack verkörpert – eine „Predigt“. 5-10 Minuten dauert die lustige und pointierte Zusammenfassung der Feierlichkeiten. Dann wird die Kerwa-Sau aus dem Zelt und die Kirchweih zu Grabe getragen.
„Meist flitzt die Kerwa-Sau dann ganz schnell nach Hause, um zu duschen“, erzählt Susanne Herberger, deren Familie zusammen mit der Familie Marsing und den Kerwaboum das Fest seit rund 20 Jahren organisiert, mitfühlend.
Vorteil der Aktion für den betroffenen Kerwabou: Bei der Eröffnung im nächsten Jahr bekommt er als erstes einen großen Maßkrug, den er dann – ehrenhalber – in einem Zug leert und damit die neue Kirchweih auferstehen lässt. So manche Kerwa-Sau hat sich einen Schlachtplan zurechtgelegt: Besonders Findige wickelten sich auch schon in Plastiksäcke unter dem Leinentuch ein. Wer die Kerwa-Sau 2010 werden wird, steht noch nicht fest. Eröffnet wird das Fest jedoch von Stefan Marsing, der sich seine Maß auf jeden Fall verdient hat. |